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Alexandra Gruber
Schatzsuche

Das mysteriöse Verschwinden des „Sterns vom Habachtal“

Sonntag, 22. Juni 2014
Der Kärntner Hermann Krautzer hatte 1957 einen Smaragd von etwa 180 Karat gefunden und damit einen Smaragdrausch im Salzburger Pinzgau ausgelöst. Doch der Schatz sollte ihm weder Reichtum noch Glück bescheren.

Der Kärntner Hermann Krautzer hatte im Jahr 1957 im Salzburger Pinzgau den „Stern vom Habachtal“ gefunden und dadurch einen Smaragdrausch ausgelöst. Siehe Teil 1, Smaragdrausch in den Alpen.

Nachdem er den Stein voller Stolz der Presse präsentiert hatte, brachte Krautzer ihn zur Bearbeitung zu dem Wiener Edelsteinschleifer Roman Englisch und verbrachte viele Tage in der Werkstatt des Wiener Juweliers, um ihm bei der Arbeit zuzusehen. Abend für Abend schloss Englisch den Stein nach verrichtetem Tagwerk in den Panzerschrank.

Wertloses Glas

Habachtal, Smaragde, Schatzsuche
Alexandra Gruber
Steinsuche am Leckbach

Als Krautzer seinen fertig geschliffenen Smaragd wieder abholen wollte, übergab ihm Englisch jedoch nur sieben kleine Smaragdsplitter und einen großen, grauen wertlosen Glasstein. Der Stein sei bei der Arbeit zersprungen, behauptete er.
Der verzweifelte Krautzer, zeigte Englisch an und sagte aus, der Juwelier habe ihn betrogen. Englisch saß wochenlang in Untersuchungshaft und brach dort schließlich sein Schweigen. Er habe nur prahlen wollen und deshalb den Wert des Smaragds so hoch eingeschätzt. Krautzer habe ihm nur ein wertloses Stück Glas gebracht.

Krautzer konnte keinen einzigen Zeugen nennen, der seine Version der Geschichte glaubhaft bestätigen konnte. Außerdem war der 45-jährige bereits wegen Betrugs vorbestraft, was seine Glaubwürdigkeit auch nicht erhöhte. Englisch wurde schließlich freigesprochen und wollte diese Schuldzuweisungen nicht auf sich sitzen lassen. Der Juwelier klagte nun im Gegenzug Krautzer wegen falscher Zeugenaussage und Verleumdung.

Patt vor Gericht

Der Prozess begann im November 1958 und sollte fast zwei Jahre dauern. Krautzer blieb während der ganzen Zeit bei seiner Aussage, dass er einen Riesenstein im Habachtal gefunden und diesen Englisch ausgehändigt habe. Der Juwelier habe den Wert des Steines auf vier Millionen Schilling geschätzt. Zurückbekommen habe er Glas.

Auch Englisch änderte nichts an seiner Darstellung der Ereignisse. Er gestand, die Presse aus Reklamegründen verständigt zu haben. Er habe nie von einem Millionenbetrag gesprochen, Krautzer wäre beim Schleifen immer anwesend gewesen. Außerdem hätte der Kunde den Stein am Abend immer mit nach Hause genommen. Im Tresor wäre er nie gewesen.

Auch zahlreiche Zeugenaussagen führten nur zu einer Patt-Situation. Die eine Hälfte belastete Englisch und entlastete Krautzer, bei der anderen Hälfte war es genau umgekehrt. Das Gericht sah sich außerstande, den wahren Sachverhalt zu klären, und am Ende wurden alle Beteiligten freigesprochen.

Wie war es wirklich?

„Doch er ist dann seines Lebens nicht mehr froh geworden und erhängte sich irgendwann,“ erzählt Zeitzeuge und Steinsucher Alois Steiner. War Krautzer doch von Englisch betrogen worden? Gab es diesen Riesenstein, und der Wiener Juwelier hat ihn gegen wertloses Glas getauscht? Falls Englisch wirklich ein Dieb war, warum hat er aber dann die ganze Presse-Meute auf den Fall aufmerksam gemacht?

Oder aber war Krautzer der Betrüger? Dann müsste er jedoch ein sehr naiver Mensch gewesen sein. Einem erfahrenen Juwelier ein Stück Glas als Smaragd unterzujubeln, ist ein eher unausgereifter Plan.

Theoretisch könnten auch beide unschuldig gewesen sein. Krautzer findet einen wertlosen Stein, glaubt aber an einen Riesenfund. Englisch lässt sich von der Euphorie anstecken, und noch bevor er an die Arbeit geht, informiert er die Presse…

Nachspiel nach 42 Jahren

Es gäbe noch unzählige Möglichkeiten, wie es denn gewesen sein könnte. Das Rätsel wird wohl nie gelöst werden. Doch Jahrzehnte später, als Englisch und Krautzer schon lange tot sind, wird der Fall von dem Kärntner Paläontologen Georg Kandutsch und dem Südtiroler Journalisten Michael Wachtler neu aufgerollt.

42 Jahre nach dem Ende des Krautzer-Prozesses berichten die beiden Autoren in ihrem Buch Goldgrube Alpen von einem viel sagenden Treffen bei einem Heurigen mit einem in die Jahre gekommenen Abenteurer. Ein Herr über sechzig war er, weit gereist, sehr belesen, und in jungen Jahren zu Wohlstand gekommen. Die drei Männer näherten sich in langen Gesprächen an, bis der Alte den Grund ihres Treffens aus einer Tasche zog und auf den Tisch legte. Es war ein Smaragd, 7 cm lang, 3 cm dick, und schwarzer Biotit, ein Mischkristall, war in ihm verwachsen. „Kein Foto, keinen Namen,“ forderte er. Kandutsch und Wachtler erkannten ohne Zweifel einen echten Habachtaler. Diesen Stein werde er mit ins Grab nehmen, erzählte er ihnen. Sie durften dann doch noch ein paar Fotos an einem anonymen Platz draußen in der Nähe des Lokals machen. Der Smaragd zwischen seinen Fingern, bzw. vor einem Zeitungsausschnitt, auf dem Krautzer seinen Smaragd begutachtete. Die Steine sahen ident aus.

„Die ganze Geschichte ist so verworren“

Factbox

Das bedeutenste Smaragdvorkommen in Europa

1797 wurde der „Schmaragd im Glimmerschiefer“ des Habachtals erstmals wissenschaftlich erwähnt. In größeren Mengen geschürft wurde ab 1861 unter dem Wiener Juwelier Samuel Goldschmidt. 1896 erwarb die „Emerald Mines Ltd“ in London das Eigentumsrecht. Diese Gesellschaft beschäftigte zeitweise bis zu 30 Knappen, die Jahresausbeuten waren recht einträglich. Im Laufe der Jahre schränkten zunehmende Schulden den Betrieb immer weiter ein. 1911 gab es Versuche, das Bergwerk zu versteigern. Da man keinen Käufer fand, wurde der Bergbaubetrieb der Gemeinde Bramberg am Wildkogel zugesprochen. Die Besitzer und Verwalter wechselten in den kommenden Jahrzehnten rasch, während den Wirren der beiden Weltkriege ruhte der Betrieb. Die Mine befindet sich nun seit mehreren Generationen im Eigentum der Familie Gaab aus München. Seit den 90-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist die Familie Steiner alleiniger Pächter des Smaragdbergwerks. Ihre Funde präsentieren sie in ihrem Haus in Bramberg und in verschiedenen Museen.

www.mineralien-steiner.at

Zurück im Heurigenlokal berichtete der alte Abenteurer, wie er zu dem Smaragd gekommen war. Um 1990 habe er auf der Züricher Mineralienbörse Smaragde begutachtet. Als er dort nicht fündig wurde, verwies man ihn an eine Adresse in der Bahnhofstraße. Dort wurde er in versperrte Räume geführt, in denen überall Edelsteine lagerten. Ob er denn an einem besonders schönen Smaragd mit „Geschichte“ aus dem Habachtal interessiert sei, wurde er gefragt. Ein wunderschöner Riesensmaragd wurde ihm gezeigt, wie er genau hierher kam, wollte niemand wissen. Der Sammler zahlte einen hohen Preis und holte den Stein nach Österreich zurück.
Kandutsch und Wachtler hielten ihr Versprechen und veröffentlichten nur die Bilder des grünen Schatzes, ohne seinen Besitzer preiszugeben. Doch auch der kennt die wahre Geschichte seines Kleinods nicht. Wenn es sich bei dem Stein tatsächlich um den „Stern vom Habachtal“ handelt, würde das wohl eine späte Rehabilitierung Krautzers bedeuten.

Alois Steiner bezweifelt diese Version der Geschichte. „Der Krautzer-Stein war breit und eher eine Platte. Nicht so ein sechskantiger Kristall wie auf dem neuen Foto, ich seh das von der Ferne, dass das ein “Brasilianer“ ist“.

Die Leute im Dorf hätten damals erzählt, dass Hermann Krautzer den Stein in Wahrheit nach dem Krieg aus Russland mitgebracht und ihn als Habachtaler deklariert hätte. „Aber das war auch nur Gerede,“ sagt Alois Steiner. „Die ganze Geschichte ist so verworren.“ Heute seien die Smaragde aus dem Habachtal sowieso nur noch Sammlerobjekte, für die industrielle Fertigung würden sie nichts taugen.„Aber sie sind besonders schön. Sie haben so einen Gelbstich, die “Kolumbianer“ sind eher bläulich.“ Seine Augen strahlen vor Freude, während er über „den Habachtaler“ spricht. In zwei Tagen wird der rüstige „Stoasuacha“ wieder zum Stollen hinaufgehen.

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