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Fussballerinnen
Fussballerinnen , by By Granada - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60734441
Wunderteam

Das Wunderteam vom Abstellgleis

Donnerstag, 27. Juli 2017
60 Jahre hab' ich alt werden müssen, um wegen Schnaderbeck, Puntigam und Zadrazil aus dem Fauteuil zu hupfen. Meine Bemerkungen zum Frauenfußball sind zum Glück alle noch lang vor dem Zeitalter des Shitstorms gefallen. Und jetzt werde ich für meine jahrzehntelange Ignoranz auch noch mit bemerkenswertem Sport belohnt. Weit hab' ich 's gebracht! Und danke, Mädls!

Polit-Kabarettist Rudi Fußi stieg hingegen auf die Social-Media-Seife, weil er ehrlich verlautbarte, dass er Frauenfußball noch immer nicht mag. Eine legitime, aber unnötige Wortmeldung zum ganz falschen Zeitpunkt. Besonders in einem Land, in dem der Frauensport im internationalen Vergleich eine bemitleidenswerte Rolle spielt. Und zwar systembedingt - nicht etwa, weil Österreicherinnen tollpatschiger sind als beispielsweise Ungarinnen. 

Die Vorgeschichte: Österreichs Frauenfußball-Team qualifiziert sich völlig überraschend für die Endrunde der Europameisterschaft und ist dort als Nummer 24 der Weltrangliste krasser Außenseiter. Die junge Mannschaft... oder müssen wir jetzt Frauschaft sagen?... gewinnt 1:0 gegen die Schweiz, bekommt dafür 3 Punkte, nachdem Teamchef Dominik Thalhammer zuvor die Medien clever beruhigt hatte: "Jeder Punkt wäre eine Sensation und ein Riesenerfolg", hatte er weise verkündet, worauf sich eine von Männern dominierte Branche gleich wieder zurücklehnen durfte.

Ja, ich weiß das! Ich war 16 Jahre Sportchef einer Zeitung und bin seit 41 Jahren Teil dieses Getriebes. Frauen im Sportjournalismus sind seltener als Tschinnaglerinnen am Hochofen oder Kapitäninnen auf Öltankern. Nur Päpstinnen gehören einer noch selteneren Spezies an. Und Frauenfußball wäre in Österreich medial vollkommen inexistent gewesen, hätte es nicht einen Idealisten namens Ernst Weber gegeben, der auf dem vermeintlichen Abstellgleis "Damenteamchef" ganz wenigen Journalisten ab und zu ein paar freundliche Zeilen entlockt hätte. Weil er so ein netter Kerl war und weil er die ständig erduldete Verarschung in der Macho-Branche Fußball sowie die fast kriminelle Geringschätzung der eigenen Funktionäre nicht verdient hatte.

Doch zurück zu jenen jungen Frauen, die diesen Ernst Weber zum Großteil wohl gar nicht mehr kennenlernen durften. Zurück zu Manuela Zinsberger, Viktoria Schnaderbeck, Katharina Schiechtl, Laura Feiersinger, Nadine Prohaska, Sarah Puntigam, Nicole Billa, Sarah Zadrazil, Lisa Makas, Nina Burger und all den anderen: Dem Sensationssieg gegen die Schweiz folgte ein 1:1 gegen die Französinnen, die zu den Turnierfavoritinnen zählen.

Knapp vor Beginn des letzten Vorrundenspiels gegen Island lief mir im kärntnerischen Urlaubsparadies ein einheimischer Troglodyt mit bedrucktem T-Shirt über den Weg. "Heimat bist du großer Söhne" stand auf seinem vom Höhlenmenschendasein gewölbten Buckl. Und mir kam zwangsläufig die Schlagzeile der "Tagespresse" zum Schweiz-Match in den Sinn: "Nach Österreich-Sieg: Söhne werden aus der Bundeshymne gestrichen."

Nun, ich war nie ein Fan dieser scheinheiligen Bundeshymnenkosmetik anstelle von Lohnangleichungen. Doch die Vorstellung, dass derselbe Höhlenbewohner auch beim 3:0 der Österreicherinnen gegen die Isländerinnen in eben diesem Leiberl beim dritten Bier vor dem Fernseher hockt und versucht, der zum Schweigen verurteilten Arschgeweihträgerin an seiner Seite zu erklären, was ein Viertelfinale ist... ja, diese Vorstellung hat was!

Noch mehr Spaß würde es mir machen, wenn der zuvor erwähnte Ernst Weber, der leider viel zu früh gestorben ist, jetzt irgendwo auf Wolke 7 Polka tanzt aus lauter Freude über das neue österreichische Wunderteam. 

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