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Alexandra Gruber
Schatzsuche

Die Jagd nach dem Schatz des Hunnenkönigs

Thursday, 26. December 2013
Der oberösterreichische Schlossbesitzer Carl Schappeller wollte in den 1920er Jahren mit Hilfe der „Urkraft“ die Weltherrschaft erobern und scheiterte grandios. In den 30er Jahren hatte er eine neue Idee. Er war überzeugt, dass unter seinem Schloss Hunnenkönig Attila mit all seinen sagenhaften Schätzen begraben worden sei.

Der Wünschelrutengänger Alois Binderberger wanderte Anfang der 1930er Jahre häufig im oberösterreichischen Innviertel herum, um Wasseradern für ortsansässige Bauern aufzuspüren. Eines Tages zeigte seine Rute stur in eine bestimmte Richtung am Horizont. Sein Werkzeug gebärdete sich dermaßen widerspenstig, dass Binderberger neugierig wurde.

Er fuhr mit der Eisenbahn von Schärding nach Ried und packte im Abteil seine Wünschelrute aus. Je näher er dem Ort Aurolzmünster kam, desto heftiger schlug die Rute aus. Dafür gab es nur eine Erklärung: Da musste Gold liegen! Binderberger stieg aus und ließ sich von seinem Werkzeug führen, bis er vor dem Schloss stand. An diesem Tag klopfte er vergeblich an das Portal. Nachdem der gescheiterte „Messias“ Carl Schappeller (Siehe Teil 1: Der Entdecker der Urkraft) 1930 mit seiner Familie bei Nacht und Nebel das Weite gesucht hatte, war das Gebäude seit über zwei Jahren leer gestanden.

Hunnenstrahlung

Carl Schappeller
Carl und Anna Schappeller

Anfang 1932 kehrte Hausherr Carl Schappeller zurück. Binderberger ließ nicht lange auf sich warten. Die beiden Männer waren sich rasch einig: Unter dem Schloss lagen unsagbare Schätze. Die „Indizienkette“ war lang: Da war zunächst der Name Aurolzmünster. Aurum ist die lateinische Bezeichnung für Gold. Sie studierten einen historischen Atlas, auf dem die Feldzüge der Hunnen eingezeichnet waren. Die kreuzten sich auf österreichischem Gebiet. Die Hunnen könnten genauso gut in Aurolzmünster vorbei gekommen sein.

Die vielen Namen von Feldern, Hügeln und Orten waren der nächste Hinweis. Heunenberg, Etzelhofen (Attila hieß im Nibelungenlied „Etzel“), und das Hundschlagerfeld (Hunnenschlachtfeld?), dass zwischen Aurolzmünster und dem kleinen Dorf Forchtenau liegt. Dann gab es noch die kleinen Hufeisen, die man irgendwann im Dorf gefunden hatte. Historiker schreiben diese Funde den Ungarn (Magyaren) zu, die ungefähr im Jahr 900 über die Gegend hinwegfegten und auch Aurolzmünster verwüsteten. Der Name „Hunnenschlachtfeld“ soll nur eine willkürliche Auslegung des Volksmundes sein. Doch von solch wissenschaftlichem Firlefanz hielt Schappeller nicht viel.

Binderberger marschierte mit seiner Wünschelrute auf dem Schlosshof auf und ab, bis er am 12. Februar 1932 erschöpft zusammenbrach. Die „Hunnenstrahlung“ sei schuld, lautete die willkommene Erklärung.

Eine Tempelstadt unter Tage

Rasch fanden sich die alten Gefährten sowie ein neuer Mitstreiter, der Braunauer Kunstmaler Aloys Wach, ein. Schappeller markierte am Boden das vermutete Königsgrab, stellte eine Eisenhütte auf und gab aufwendige Schachtgrabungen in Auftrag.

Seine „Erkenntnisse“ präsentierte er der Öffentlichkeit, der Blätterwald rauschte auf Kommando. Geldgeber für die Schatzsuche stellten sich ein, allen voran der betagte Prälat Aemilian Schöpfer. Der Geistliche trieb für die teure Grabsuche das Startkapital von 25.000 Schilling auf. Durch seine Beziehungen schaffte er es auch, eine Konzession für archäologische Ausgrabungen vom Bundesdenkmalamt zu erhalten. Das archäologische Institut der Stadt Wien wollte sogar einen Mitarbeiter zu den Grabungen schicken, was von Schappeller aber abgelehnt wurde.

Alois Binderberger vermutete nach weiteren Begehungen eine Tempelstadt unter Tage, geformt wie ein Lebensbaum, ausgestattet mit trapezförmigen Baldachinen aus Gold.

Binderberger suchte verbissen. Da, wo seine Rute ausschlug, wurde die Stelle markiert. Ein maßstabgetreuer Plan wurde gezeichnet, der ein unterirdisches Labyrinth mit weitläufigen Gängen und Gewölben abbildete.

Astralzwerge

Carl Schappeller
Alexandra Gruber
Friedhof Aurolzmünster

Fast täglich fand man neue „Beweise“ für den Schatz. Mal waren es Pferdebeschläge, mal eine alte Münze oder eine unterirdische Wand. Auch die Wahrnehmungen von Schappellers medial veranlagter Tochter wurden als Hinweise herangezogen. Der inzwischen knapp dreißigjährigen Anschy erschienen Astralzwerge, die auf ihren Flöten Hunnenweisen spielten. Überhaupt war Anschy eine seltsame Erscheinung. Sie sprach nur selten, und wenn, dann durch ihren Teddybären, den sie stets bei sich trug. Sie hatte Angst vor Menschen und Bakterien und konnte sich angeblich selbst in Trance versetzen.

Bald arbeitete die halbe Bevölkerung von Aurolzmünster für den Schlossherrn, der Lohn war die Hoffnung auf eine Beteiligung, wenn der Schatz erst gefunden war. Viele steckten ihre Ersparnisse in die Finanzierung der Grabungen, allen voran Kunstmaler Aloys Wach. Die Zeiten waren schlecht, und Schappeller versprach 300 Prozent Zinsen. Die Baustelle auf dem Schlossgelände wuchs, ebenso die Zweifel der Geldgeber. Der selbsternannte Guru wischte die Forderungen und Anfragen seiner Finanziers selbstsicher beiseite. „Ich bin nicht Schatzsucher, nicht Schatzfinder, sondern Schatzinhaber!“ sagte er selbstsicher. Sie gruben immer mehr in die Breite, in die Tiefe. In den Schächten fielen die Arbeiter durch angebliche unterirdische Dämpfe reihenweise in Ohnmacht. Doch man fand – nichts. Die Spekulationen wurden immer grotesker, selbst die Hauptstadt von Atlantis wurde zwischenzeitlich unter dem Schloss vermutet.

Die Hunnen raunten in ihren Gräbern

Factbox

Hunnenkönig Attila, die „Geißel Gottes“, eroberte 445 mit seinen Reiterscharen ein riesiges Reich, das vom Kaspischen Meer bis zum Rhein und von der Donau bis nach Dänemark reichte. Auf seinen Kriegszügen erbeutete er unermessliche Schätze, und in seinem Todesjahr 453 soll er in einem goldenen Sarg begraben worden sein. Seine Krieger beerdigten ihn feierlich mit Kisten voller Edelmetalle, Schmuck, Edelsteine, Waffen. Der Großteil seiner Reichtümer, so heißt es, sei in der Stadt Tokaj oder ihrer Umgebung im Nordosten Ungarns vergraben worden. Motiviert von Gier und Abenteuerlust suchten bis in unsere Zeit hinein unzählige Glücksritter das Grab des Hunnenkönigs. Laut Auskunft des Archäologischen Instituts in Wien wurden im Gebiet der Habsburgermonarchie bis 1932 bis zu 4000 vermeintliche Attila-Gräber entdeckt. Gefunden wurde es bis heute nicht. Ob die Hunnen jemals durch Oberösterreich zogen, ist mehr als fraglich. Die Prähistorikerin Jutta Leskovar vom Landesmuseum Oberösterreich kann es nicht kategorisch ausschließen. „Aber es gibt keine Belege dafür, es wurde nichts gefunden, was man dieser Volksgruppe zuordnen könnte.“

Im Laufe des Jahres 1932 war die Geduld vieler am Ende, beim Bezirksgericht gingen Betrugsanzeigen gegen Schappeller ein. Das Schlossmobiliar wurde versteigert, allerdings von einer Gönnerin wieder zurückgekauft. Mehr und mehr Geldgeber wandten sich von Schappeller ab. Auch dem Kunstmaler Wach wurde mit der Zeit klar, dass er seine Ersparnisse nie wieder sehen würde. 1933 schrieb er sich seine Wut und Enttäuschung vom Leib. „Schin, der Herr der Zahl 22“ hieß sein esoterisches Bücherl, dass er im Selbstverlag herausgab. „Die Wahrheit über Schloss Aurolzmünster“ versprach er im Untertitel, und es wurde eine Abrechnung mit dem Mann, der ihn um sein ganzes Geld gebracht hatte. Im selben Jahr erwirkten elf Gläubiger erneut eine Pfändung und die Versteigerung des Schloss-Inventars.

Schappeller ließ trotzdem weitergraben. Aber außer zwei Hufeisen fand man nichts mehr. Der Meister selbst hörte die Hunnen in ihren Gräbern raunen…
Nach weiteren Zwangsversteigerungen tauchte Schappeller wieder unter. Strafrechtlich konnte er nicht verfolgt werden, da er durch seine „Geisteskrankheit“ geschützt war.

1934 kehrte er wieder nach Aurolzmünster zurück. Das Schloss sollte zwar unter den Hammer kommen, aber für die riesige Baustelle fand sich kein Käufer. Prälat Schöpfer konnte eine weitere Pfändung verhindern und trieb sogar noch das Geld für weitere Grabungen auf. 1936 stieg der Prälat noch selbst in den Schacht hinab, um die „Hunnenstrahlung“ zu spüren. Noch im selben Jahr starb er, und Schappeller stand ohne Förderer da.

Von da an wandte sich Fortuna endgültig vom Glücksritter Schappeller ab. Der Zweite Weltkrieg klopfte auch an seine Tür, und die NSDP beschlagnahmte 1938 einen Teil des Schlosses. Die Schappellers bekamen keine Waren mehr und mussten oft hungern und frieren. 1941 starb seine geliebte Ehefrau Anna. Nach 1945 lebten Anschy und Carl wie alle anderen von amerikanischen Care-Paketen. Schappeller gingen bis zu seinem Tod die Ideen nie aus. So wollte er die Engländer mit einem nach ihm benannten Motor ausrüsten oder den Neusiedler See trocken legen, um dort nach Attilas Schatz zu suchen.

1947 starb er im Alter von 72 Jahren völlig mittellos an einem Darmverschluss. Anschy folgte ihm 1955. Das Schloss wurde zwei Jahre später wieder verkauft und blieb jahrzehntelang eine halb verfallene Ruine. In den 1990-er Jahren wurde es renoviert und erstrahlt seitdem in neuem Glanz.