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Marliese Mendel
LGBT

Gay-Cops Austria

Sonntag, 1. Dezember 2013
Die genaue Anzahl schwuler Polizisten kennt niemand. Aber rund 100 Gay Cops haben sich organisiert. Sie hatten genug von Anfeindungen und Diskriminierung. dieZeitschrift hat sich mit ihnen getroffen.

„Er hat auf meine Motorhaube onaniert“, verteidigte sich der Angeklagte in einem Vorarlberger Gerichtssaal in den 1990er Jahre. Auf einem Parkplatz hatte er den homosexuellen Zollwachbeamten Josef Hosp mit einer Waffe bedroht. Damals wie heute gibt es in Vorarlberg kein Schwulenlokal. So traf man sich auf Parkplätzen, wurde hinter Büschen intim und hoffte, dass keine Polizeistreife patrouillierte.

Selbstverständlich habe ich nicht auf sein Auto onaniert“, sagt Hosp. Die Richterin glaubte dem Angeklagten nicht und verurteilte ihn zu einer saftigen Geldstrafe. Bis heute ist Hosp Diskriminierung wegen seiner sexuellen Orientierung ausgesetzt.

„Es gibt immer noch Kollegen, die nicht mit mir auf Streife fahren wollen“, sagt Hosp, „vor allem ältere Kollegen haben Berührungsängste.“ Er ist der einzige geoutete Polizist in Vorarlberg und Vorstandsmitglied der Gay-Cops-Austria. 1991 outete er sich bei einem Lehrgang in Wien. „Ich hatte genug von den Fragen, warum ich nicht verheiratet bin und wollte mich nicht mehr rechtfertigen“, erklärt er seinen Schritt. Sein Zimmerkollege zog sofort aus und zwei Lehrer zitierten ihn zu einem „klärenden“ Gespräch.

Anlaufstelle für homosexuelle Polizisten

Gay Cops Treffen Klagenfurt 2012
Alexandra Gruber

Im Jahr 2005 hatte er genug von den Anfeindungen. Gemeinsam mit anderen homosexuellen Polizisten, unter der Führung von Ewald Widi, gründeten sie die Plattform Gay-Cops-Austria. Seit 2007 gibt es den offiziellen Verein. „Wir haben rund 100 Mitglieder“, sagt der Obmann Alois Krabb. Sie verstehen sich als Anlaufstelle für homosexuelle Polizisten. Sie bieten Hilfestellung beim Outing, auch außerhalb der Community. Unterstützen Cops die an ihrer Dienststelle Diskriminierungen erfahren und helfen Homosexuellen, die Angriffen ausgesetzt sind, die Taten zur Anzeige zu bringen. „Oft trauen sich Homosexuelle Übergriffe nicht anzuzeigen, aus Angst diskriminiert zu werden“, sagt Krabb, „wir können beratend zur Seite stehen“.

Die Gay-Cops haben klare Forderungen an die Politik. „In den Niederlanden und in Deutschland wird homophobe Gewalt und Hasskriminalität gesondert registriert, nicht so in Österreich. Es wäre wichtig, einen Kontaktbeamten für LGBT in jedem Bezirk zu haben. Sowie einen offiziellen Vertreter für Homosexuelle im BMI“, sagt Krabb. Momentan müssen alle Polizisten einen Lehrgang zu Fragen der Gleichberechtigung besuchen. „Aber es liegt im Ermessen des Vortragenden, inwieweit er auf die Fragen der Homosexualität eingeht“, sagt der Obmann.

Outings

Gay Cops Treffen Klagenfurt 2012
Marliese Mendel

„Ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht“, sagt Krabb. Der Gruppeninspektor outete sich vor 12 Jahren, davor war es aus gesellschaftlichen Gründen unmöglich gewesen. „Aber ich wollte nicht mehr so weiterleben. Ich sagte es meiner Familie und meinen Kollegen“, erzählt er, „danach gab es einige anonyme Anrufe, aber sonst habe ich nichts Negatives erlebt.“ Ganz anders geht ein Polizist aus dem Burgenland mit seiner sexuellen Orientierung um. Seit vielen Jahren führt er eine glückliche Beziehung. Dennoch weiß niemand auf der Wache, dass er homosexuell ist, aber das ist für ihn keine psychische Belastung. „Ich bin seit 1995 auf der gleichen Dienststelle, aber es hat mich noch niemand gefragt. Würde mich jemand fragen, würde ich ihm die Wahrheit sagen“, sagt er.

Für die lesbische Sabine war es anfangs schwer. Im Jahr 2010 erschien in einer Tageszeitung ein großer Artikel über sie. Danach wurde ich angefeindet. Ich wurde von Verdächtigen als „Scheiß Lesbe“ beschimpft und auf der Dienststelle wurde ich „blöd“ angeredet. Drei Monate lang war sie Anfeindungen ausgesetzt. „Dann hörte es auf“, erzählt die junge Polizistin, „Ich fühle mich erst seit meinem Outing richtig frei“.

„Privat ist Privat und Dienst ist Dienst“

Gay Cops Treffen Klagenfurt 2012
Marliese Mendel

Trotz der zunehmend positiven Erfahrungen der Gay-Cops stoßen sie immer noch auf Unverständnis, vor allem in der Politik. Vor drei Jahren übernahm die damalige Innenministerin Maria Fekter den Ehrenschutz des Treffens der European Gay Police Association. Die Veranstaltung wurde mit 3.960 Euro gesponsert und die LPD stellte Fahrzeuge zur Verfügung. Die FPÖ-Abgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein stellte daraufhin einen parlamentarischen Antrag. Sie wollte die Unterstützung genau aufgeschlüsselt haben und fragte wie sich eine Durchsuchung von Verdächtigen durch solche Personen abspielt. Fekter antwortete zwei Monate später: Die Polizisten haben sich an die Vorschriften zu halten. Das ist für die Gay-Cops selbstverständlich.

„Mich wundert nur, dass gewisse Bevölkerungsgruppen glauben, dass wir Homosexuelle jedem Mann an die Wäsche wollen“, wundert sich der niederösterreichische Polizist Roman. Er ist einer der ersten homosexuellen Cops, die sich in Österreich verpartnert haben. Das hat auch Peter getan. Als er sich outete, sagte sein Chef „Privat ist Privat und Dienst ist Dienst“.

Trotzdem haben viele homosexuelle Polizisten Angst sich zu deklarieren und leiden unter ihrem Doppelleben. Sonst wären Josef Hosp und Alois Krabb nicht die einzigen geouteten Polizisten in Vorarlberg und Salzburg.

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