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Bild, by Marliese Mendel
LGBTI

Hassverbrechen

Montag, 26. Oktober 2015
Der Verein Gay Cops Austria veröffentlichte letzte Woche die erste Studie zu Hassverbrechen gegen Menschen mit gleichgeschlechtlichen Lebensweisen in Österreich.

Im Verein Gay Cops Austria schließen sich schwule, lesbische, bisexuelle, transgender- und intersexuelle Polizisten zusammen. Sie wollen, dass sie nach innen und außen hin sichtbar sind, wollen es betroffenen KollegInnen leichter machen, sich zu outen und sie wollen gemeinsam gegen Diskriminierung und Mobbing in den eigenen Reihen vorgehen. Ein weiteres zentrales Anliegen ist es, LGBTI (Lesbian-Gay-Bisexual-Transsexual-Intersexual), die Opfer von Straftaten geworden sind, zu ermutigen, zur Polizei zu gehen.

Aus Erfahrung wissen die LGBTI-PolizistInnen, dass ein Großteil der Hatecrimes niemals angezeigt werden. Die Versuche des Vereins, entsprechende Schulungs- bzw. Weiterbildungsprogramme zum Umgang mit LGBTI-Opfern bei der Polizei zu implementieren und Ansprechpersonen für LGBTI innerhalb der Polizei zu etablieren, waren bis jetzt mäßig erfolgreich. Die EntscheidungsträgerInnen wünschen sich Zahlen, einen statistischen Nachweis, ob das Problem überhaupt existiert und wenn ja, ob es sich lohnt entsprechende Projekte überhaupt notwendig sind.

Also beschlossen die Gay Cops Austria, gemeinsam mit der IG Soziologie in Graz eine Studie zum Thema Hassverbrechen in Österreich zu erstellen. Eine schwierige Aufgabe, weil Hassverbrechen in den Kriminalstatistiken nicht gesondert erfasst werden.

Körperverletzung

Insgesamt gibt es rund 277.500 LGBTI-Personen in Österreich. 660 Menschen aus der Community haben an der Studie anonym teilgenommen. Sie haben zum Beispiel beantwortet, ob sie in den letzten zwölf Monaten wegen ihrer sexuellen Orientierung Opfer von Gewalt geworden sind, um welche Straftat es sich gehandelt hat, ob sie diese zur Anzeige gebracht haben und welche psychologischen Auswirkungen die Übergriffe auf die Opfer selbst hatten.

Die Ergebnisse sind erschreckend: fast 50% (17.000) aller 37.659 Fälle angezeigten Körperverletzungen sind Hassverbrechen gegen LGBTI. Bei den Angriffen wurden 62,96 % leicht, 18,52 schwer verletzt.

Mehr als 50% aller StudienteilnehmerInnen wurden im letzten Jahr ob ihrer sexuellen Orientierung beleidigt und mehr als 20% gar bedroht. Dennoch gehen die meisten Opfer nicht zur Polizei, nicht einmal 4% der Straftaten wurden angezeigt. Die Begründungen sind vielfältig: bei Beleidigungen gaben 16% der Befragten an, „dass es gar nicht so schlimm war,“ fast 19% wäre es zu umständlich gewesen, 19 % gingen davon aus, dass die Täter sowieso nicht gefunden werden würden. Erschreckende 48 % glauben, dass die Polizei ihre Anliegen nicht Ernst nehmen würde. Der Obmann der Gay Cops Austria, Josef Hosp, sagt, dass PolizistInnenen zuerst die sexuelle Orientierung und dann erst den Menschen sehen. Er fordert von seinen eigenen KollegInnen, dass das Opfer und nicht die Vorlieben im Schlafzimmer im Fokus stehen müssten.

Übergriffe

Als eine lesbische Frau eine Vergewaltigung durch einen Mann in einer Umkleidekabine eines Fitnessclubs anzeigen wollte, nahm der Polizist ihre Anzeige nicht auf, denn „der Mann hätte ihr wohl nur zeigen wollen, was sie verpasse.“ Oder ein junger Mann wurde wegen seiner sexuellen Orientierung auf einem Parkplatz von einem homophoben Autofahrer mit einer Pistole bedroht. Blöd für den Autofahrer war, dass der Bedrohte Polizist ist. Dieser meldete die Straftat sofort bei der Dienststelle, wurde dann aber von seinen Kollegen als Täter und nicht als Opfer behandelt. Sie fragten ihn, was er wohl auf einem dunklen Autobahnparkplatz erwarten würde. Der Täter wurde dennoch ausgeforscht und verurteilt.

Pionierleistung

Seit einigen Jahren gibt Josef Hosp Kurse in der Polizeischule in Feldkirch, er unterrichtet seine zukünftigen KollegInnen im Umgang mit LGBTI-Opfern. Er wünscht sich jedoch, dass diese Ausbildung in allen österreichischen Polizeischulen zum Pflichtfach wird. Nur dann würde das Vertrauen der LGBTI in die PolizistInnen steigen.

Die meisten Hassverbrechen gegen LGBTI-Personen erleiden junge Männer im öffentlichen Raum in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Die Täter sind oft Gruppen junger Männer, die die angegriffene Person gar nicht kennen.

Die Übergriffe hinterlassen bei den Opfern nicht nur körperliche, sondern auch psychische Verletzungen. 18% leiden sehr stark unter den Übergriffen und weitere 19% sogar unter post-traumatischen Belastungsstörungen, die meisten nehmen aber dennoch keine psychotherapeutische Hilfe in Anspruch.

Neben der Studie präsentierten die Gay Cops Austria auch noch einen Maßnahmenkatalog, um die Anzeigebereitschaft zu erhöhen.

Auf Polizeistationen soll es Ansprechpersonen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen geben; diese sollten selbst der Community angehören und im Umgang mit Hassverbrechen geschult sein. In der Steiermark gibt es jetzt die erste Ansprechpartnerin.

Außerdem sollen alle PolizistInnen eine entsprechende Ausbildung absolvieren, wie man mit Betroffenen umgeht. Eine weiter Forderung ist, dass Beleidigungen und Mobbing als Straftat geahndet werden; so würde sich das Strafmaß deutlich erhöhen. Die Gay Cops Austria fordern auch, dass von nun an Hassverbrechen – nicht nur gegen LGBTI, sondern auch Diskriminierungen gegen Ausländer, religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten – in die Kriminalstatistik gesondert aufgenommen werden.

Mit ihrer Studie haben sie jetzt die nötigen und von den Verantwortlichen geforderten Zahlen vorgelegt. Eine Pionierleistung, die prompt belohnt wird: Die Gay Cops sind von der Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek zu einem ausführlichen Gespräch eingeladen worden.

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