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Nikola Milatovic
Theater

Mord in der Idyllenfalle

Thursday, 5. February 2015
Anlässlich der bevorstehenden Premiere von "Du gingst fort" der "Rabtaldirndln" im brut hat dieZeitschrift mit dem Grazer Theaterkollektiv über Wallfahrten zur Heiligen Kümmernis, Mord und Landflucht gesprochen.

Die fünf Frauen des Theaterkollektivs „Rabtaldirndln“ eröffneten 2003 ihre fiktive Schenke. Seither treten sie auf verschiedenen Theaterbühnen auf und filetieren in ihren Aufführungen Alltagssituationen und Vorurteile mit hintergründiger Boshaftigkeit und wunderbarer Liebenswürdigkeit. Sie „leben“ auf der Bühne in ihrer eigenen Ritualwelt nach strengen Werten: selbstständig und autonom. „Wir versuchen in unserer Welt so unabhängig wie möglich zu sein, vor allem von Männern,“ sagt die Schauspielerin Rosi Degen, die die Figur der Sonja verkörpert.

Deshalb ist Gitti – eine Frauenfigur, die mit den Rabtaldirndln in die Schule gegangen ist – ihr Idol. Gitti griff zum ultimativen Mittel, um sich von ihrem Mann zu befreien: Mord. Gleich nach der Matura war sie in die Idyllenfalle getappt: Heirat mit dem Raika-Angestellten Hermann, Häuselbauen. Ihre Welt wurde aber immer kleiner, bis sie ihren Mann erschießen musste, um aus dem idyllischen Käfig auszubrechen. Seither steht in den Statuten der Rabtaldirndln, dass man bei Befreiungsschlägen auch Gewalt anwenden darf.

„Es kommt bei unseren Stücken immer wieder durch, dass das Kollektiv nicht himmelblau und rosarot ist, sondern, dass wir innerkollektivisch sehr grausam, grantig und unbarmherzig sein können,“ sagt Rosi Degen. Jede ihrer Produktionen eröffnet dem Publikum neue Perspektiven und Anlässe, über sich selbst nachzudenken. Mit ihren Stücken bringen sie die Zuseher zum Lachen, aber es schwingt immer ein beißender Unterton mit, der dem Publikum aufzeigt, in welche Idyllenfalle es getappt sein könnte und welche Vorurteile sich eingeschlichen haben.

Landflucht

Das Grazer Theaterkollektiv: Rabtaldirndln
Nikola Milatovic
Rabtaldirndln

In ihrer aktuellen Produktion, „Du gingst fort“ fahnden sie ähnlich wie im  Aktenzeichen-XY-Format nach den Leuten, die aus dem Rabtal weggegangen sind. „Wir suchen nach Motiven und Gründen, warum Menschen das Tal verlassen haben. Es geht um Landflucht. Um die Lücke, die die Fortgegangenen bei uns Dirndln hinterlassen haben. Wir behaupten, dass die Guten weggehen, jene, die man sehr lieb hat.“

Dass der Pfarrer weg ist, stört die Rabtaldirndln allerdings nicht. Die Religionslücke wurde sofort von den profitgeilen Rabtaldirndln selbst geschlossen: sie veranstalten Einkehrtage, Wochenendseminare und Wallfahrten zur Uschi Kümmernis – einer aus dem katholischen Märtyrerverzeichnis „Martyrologium Romanum” gestrichenen Heiligen mit Bart. Der Legende nach soll sie sich die Katholikin einen Bart gewünscht haben, um nicht mit einem Heiden verheiratet zu werden. Ihr Vater ließ sie daraufhin kreuzigen.

Den Rabtaldirndln erschien die bärtige Heilige schon lange, bevor Conchita Wurst den Song Contest gewonnen hatte. Sie wanderten wochenlang zu Fuß zu unterschiedlichen Wallfahrtsorten und brachten Achsel- und Barthaare als Brandopfer dar. „Uschi Kümmernis ist ein super Vorbild für die Rabtaldirndln,“ sagt Rosi Degen, „auch wir versuchen, gegenüber Männern konsequent zu sein. Es gelingt uns nicht immer und deshalb machen wir von uns aus jährlich eine Wallfahrt, um uns reinzuwaschen von fehlender Gegenwehr bei sexistischen Witzen oder wenn wir unerlaubt geflirtet haben.“

Kein Zuzug

Für das neue Stück führte das Theaterkollektiv unzählige Interviews. Sie befragten Menschen zu Begriffen wie Heimat, Anpassung, Verrat, Weggehen, Kleidung und Familie. Sie ergründen die Motive, warum Menschen das vermeintlich idyllische Landleben gegen das anonyme Stadtleben eintauschen: Gründe sind die “Enge am Land, die einem die Kehle zuschnürt” und die Tatsache, dass man nicht so sein kann, wie man gerne wäre.

Wer aus dem Rabtal weggezogen ist und warum es keinen Zuzug gibt, weiß man spätestens, wenn man das Stück gesehen hat. Premiere ist am 25. Februar im brut im Künstlerhaus.

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