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Petra Lutnyk
Musik

„Oje, das gibt eine Schlägerei“

Mittwoch, 11. Dezember 2013
Die Schmuckkünstlerin Haldis Scheicher hat aus dem Nähkästchen ihrer Mutter eine Kalimba gebaut. Die Band Schwimmer schrieb dazu einen Song. Aber das ist nicht das einzig Interessante an den Musikern.

Klangabenteuer

Haldis Scheicher, Klaus Tschabitzer, Schwimmer, Schmuck
Petra Lutnyk

Klaus Tschabitzer macht seit den 70er Jahren Musik. Manchmal begibt er sich auf experimentelle Ausflüge in andere Klangsphären. So auch, als er mit seiner Band Schmuckstücken Sounds entlockte.

Als sich die Band Schwimmer zu diesem Klangabenteuer treffen, bringen die vier Musiker Klobürsten, Gummihandschuhe und Schmuckgegenstände mit. Saxophonist Walter Lameraner braucht die Putzutensilien, um auf seiner Kalimbula zu spielen – ein so seltenes Musikinstrument, dass es nicht einmal Google kennt.

Dazu kreierte die Schmuckkünstlerin Haldis Scheicher im Auftrag der Galerie V&V bespielbares Geschmeide, damit die Musiker ihnen Töne entlocken konnten.

Jimi Hendrix am Schmuckstück

Haldis Scheicher, Klaus Tschabitzer, Schwimmer, Schmuck
Petra Lutnyk

Vor ihrem letzten Auftritt testeten sie auch einen selbstgebauten Tonabnehmer für die Schmuckstücke. Scheicher hatte aus dem Nähkästchen ihrer Mutter, Kerzenhalter und Teile einer Kalimba ( Anm: eine Art Daumenklavier, stammt ursprünglich aus Afrika) einen Musikinstrument-Anhänger geschmiedet.

Der Organist Herbert Wiesenberger entpuppte sich als Jimi Hendrix am Schmuckstück. Gemeinsam mit Gitarrist Klaus Tschabitzer und Schlagzeuger Dieter Preisl entwickelten Wiesenberger und Lameraner den Song „Schmuckstück 2“.

Am Tag der Uraufführung ließen sie ihre angestammten Instrumente zu Hause und spielten bei der „Langen Nacht der Schmuckkunst“ auf den Schmuckstücken. Das Publikum war begeistert.

Proben in Omas Schlafzimmer

Bevor Klaus Tschabitzer Standing Ovations zu hören bekam, hatten die Musiker im Schlafzimmer von Dieter Preisls Oma geprobt. Die Beiden improvisierten sehr laut, während die Oma im Wohnzimmer Fernsehen schaute. „Damals spielten wir mehr für unsere Psychohygiene“ sagt Tschabitzer.

1982 zog er nach Wien und traf einen Bassisten. Der verschaffte ihnen einen Auftritt bei einer Hochzeit in einem oberösterreichischen Dorf. „Es war der völlige Wahnsinn“ sagt Tschabitzer, „wir spielten eine Mischung aus Volksmusik, Rock n' Roll und Free Jazz.“ Nach der Ankunft sah Tschabitzer die Hochzeitsgesellschaft und fürchtete sich ein bisschen. Er bezweifelte, dass ihre Musik hier ankommen würde und dachte sich: „Oje, das gibt eine Schlägerei“. Doch der Bassist bestand auf den Auftritt, die Band legte los und die Tanzfläche füllte sich. „Uns ist es wurscht ob es falsch ist, Hauptsache es ist laut“, zitiert er einen Hochzeitsgast.

„Leiwandster Popmusiker"

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Mehr zur Band Schwimmer

Mehr zur Schmuckkünstlerin Haldis Scheicher

Bis Tschabitzer 2000 die Band Schwimmer gründete, zog er mit seiner aufgemotzten Heimorgel durch Deutschland und weiter nach Belgien. „Es ist mir zu blöd geworden, auf englisch zu singen, ich wollte wieder zurück zum Dialekt und mit mehreren Musikern gemeinsam spielen“,“ sagt Tschabitzer. 2001 gab ihm die Stadtzeitung Falter recht und schrieb, er sei einer der „leiwandsten Popmusiker der Stadt“. „Ich versuche den Rock n' Roll in die Moderne zu retten“, sagt er. Dazu bedient er sich auch eines außergewöhnlichen Sounds. Auf einem Flohmarkt kaufte er sich eines Tages einen alten Sampler. Schon damals ließ er die Gegenstände seiner 40 m² Wohnung klingen: Töpfe, Klomuscheln, Tische und Lampen.

Deshalb ist es auch nicht weiter befremdlich, dass er auf Schmuckstücken Minimalmusik spielt.

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