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Nonseum
Nonseum, by Alexandra Gruber
Alexandra Gruber
Nonseales

„Schräg, skurril und aberwitzig“

Samstag, 30. November 2013
Wo sich das verruckteste Dorf Österreichs befindet und warum Kaiserin Sisi den Doppeladler verspeist hat.
Nonseum, Tragbares Loch mit Lochschoner
Helene Waldner / Nonseum
Das tragbare Loch

Hier treten Politiker beim Handtuch-Werfen gegeneinander an. Hier kriechen Weinbergschnecken einen Tag lang um die Wette. Hier begehen Pessimisten einen gemeinsamen Wandertag und weinen beim Kren reißen und Zwiebel schneiden um die Gunst der Zuschauer. Hier, das ist in Herrnbaumgarten, ein kleiner Ort mitten in der hügeligen Landschaft des nördlichen Weinviertels.

Herrnbaumgarten ist die Hochburg der Wortspielereien. Phrasen wie Schwarz malen (Pessimistenwandertag) oder Handtuch Werfen (Herrnbaumgartner Olympia 2005) werden bei diversen Veranstaltungen mit viel Liebe zum Schabernack wortwörtlich umgesetzt.

Herz und Seele der 1000-Einwohner-Gemeinde ist das Nonseum – ein einzigartiges Museum, das Objekte zeigt, die die Welt nicht braucht. Mehr als 450 Exponate sind hier ausgestellt, vom ausrollbaren Zebrastreifen bis zur Teekanne für Masochisten oder einem tragbaren Loch mit Lochschoner. „Wir sind kein Museum im klassischen Sinn. Wir stellen keinen Anspruch auf Kunst. Schräg, skurill und aberwitzig muss es sein", sagt Nonseumsdirektor Fritz Gall, während er einen Hut mit eingebautem Seilzug vorführt. Mittlerweile hat sich das verruckte Dorf, das gemeinsam mit der Gemeinde entwickelt wurde, als Marke etabliert. „Wir sind nicht verrückt im Sinne von crazy, wir verrücken nur den Standpunkt."

„Eines unserer wertvollsten Exponate ist Napoleons Knopfloch", erzählt Gall. Es sei das dritte von links oben, und Bonaparte habe dieses historische Kleidungsstück bei der Schlacht von Austerlitz getragen. „Unsere Knopflöcher sind saumlos ausgestellt. Sonst wären sie ja verunreinigt." Gall versucht, keine Miene zu verziehen. Doch immer wieder entwischt ihm ein Schmunzeln, während er über Exponate und vergangene Aktionen rund um das Nonseum berichtet.

Da gibt es zum Beispiel das Bett mit der Schäfchenzählmaschine (am besten schnell einschlafen, sonst muss man die Maschine wieder aufziehen, ist noch nicht ganz serienreif), die Sockentrockenschleuder (zum Wandern), das Diätgeschirr (mit Löchern), das Revolutionsschach (ohne Bauernopfer). Oder die Aktion Mostly Postly, als ein Bekannter von Gall seine Freundin in Wulkaprodersdorf als Packerl aufgab und die überforderten Bahnbeamten am Wiener Südbahnhof die Polizei riefen.

Nonseale Nachrichten gehen um die Welt

Nonseum, Diätgeschir
Helene Waldner
Schlank mit dem Diätgeschirr

Im museumseigenen Kino laufen zwei Filme in der Endlosschleife. Einer davon wurde 1998 von einem ORF-Team gedreht und handelt von einem spektakulären Fund. Der Herrnbaumgartner Weinbauer Friedl Umschaid, ganz zufällig eines der Gründungsmitglieder des Nonseums, war in seinem Keller auf das Skelett des Doppeladlers gestoßen. Bekannte österreichische Wissenschaftler und ein gewisser Fritz Gallinger, seines Zeichens Museumsdirektor, treten in dem Film auf. Der Zoologie Antal Festetics erklärt unter anderem, dass man aus der DNA des Vogels einen neuen Doppeladler klonen könnte. Die Auflösung des Geschichtskrimis: Kaiserin Sisi höchstpersönlich hat sich den Doppeladler im Herrnbaumgartner Dorfwirtshaus braten lassen, um ihn genüsslich zu verzehren. Denn ihr Verhältnis zum Vogel, dem Symbol des ihr verhassten Kaiserhauses, soll ambivalent gewesen sein.

„Die Meldung über den Doppeladler-Fund ist weltweit rausgekommen. Selbst CNN hat darüber berichtet", erzählt Gall. Ein nonsensialer Triumph, wenn internationale Nachrichtenagenturen den Herrnbaumgartnern auf den Leim gehen.

Trotzdem, die Medien mögen das Nonseum. „Eine Hongkonger Tageszeitung schrieb einen dreiseitigen Artikel über die kuriosesten Museen der Welt und wählte uns auf Platz Eins."

Am Anfang war das würfelförmige Tischtuch

Factbox

1984 fand die erste österreichische Nonsens-Erfinder-Messe statt

1991 wurde der Verein zu Verwertung von Gedankenüberschüssen gegründet

Die Exponate stammen von verschiedensten Erfindern (dreisprachige Beschriftung in Deutsch, Englisch und Tschechisch)

Eintritt: Erwachsene € 7,50, Kinder € 3,50

Besucherzahlen: Ca. 11.000 jährlich

Am besten bis zu drei Stunden für einen Museumsbesuch einplanen, eine Führung (Reservierung nötig) ist ab zehn Personen möglich und kostet pro Person 2 €.

1984 hat alles begonnen. „Wir sind zu fünft in einem Wirtshaus gesessen. Die Kellnerin kam und wendete das Tischtuch, weil wir es angepatzt hatten. Da kamen wir auf die Idee, ein würfelförmiges Tischtuch zu bauen. Das könnte man gleich sechsmal verwenden." Dieses Tischtuch, so Gall, sei zwar nie angefertigt worden. „Aber dafür jede Menge andere unbrauchbare Erfindungen." Im selben Jahr rief das kreative Quintett, darunter der bekannte Krimiautor Stefan Slupetzky, zur ersten österreichischen Nonsens-Erfinder-Messe auf, die ein voller Erfolg wurde. Anfang der Neunziger gründeten die Herren den „Verein zu Verwertung von Gedankenüberschüssen“. Das Nonseum, so die Eigendefinition, „nützt wirklich niemandem, das aber sehr gewissenhaft und mit aller Liebe."

Gall beschreibt das Vereinsziel so: „Wir wollen irgendwo, irgendwann, irgendwem ein Lächeln entlocken."