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Robert Newald
Kommunikationsguerilla

„Sie jagen Großwild in Schönbrunn“

Donnerstag, 2. Januar 2014
Kommunikationsguerilla kämpfen mit Subversion, Fakes und Irritation gegen die Mächtigen. Ihre Methoden sind vielfältig: Sie tragen symbolisch Koffer voller Geld auf die Bank, geben sich als fiktive grönländische Dichter aus oder gehen für Karl-Heinz Grasser auf die Straße. Der Soziologe Hans Christian Voigt sprach mit dieZeitschrift über österreichische Beispiele.
Freunde des Wohlstands
Freunde des Wohlstands
Demo für die Reichen

„Kommunikationsguerilla arbeitet gegen die Logik der Mächtigen, die Herrschaft, gegen das System. Strukturell sind sie dabei die Schwächeren, sitzen am kürzeren Ast. Aber sie nutzen den Verwirrungsmoment, sind wendig und flink.“ Der Soziologe Hans Christian Voigt interessiert sich seit ungefähr zehn Jahren für Protestmethoden abseits des Mainstream, die der Gesellschaft auf meist humorvolle Weise den Spiegel vors Gesicht halten.
Die Waffen der Kommunikationsguerilla sind Subversion, Irritation, Fälschung und Umdeutungen. Oft bedienen sie sich der Identität eines Mächtigen, verschicken unter seinem Namen überspitzte, verdrehte Botschaften an die Öffentlichkeit. Oder sie erfinden eine Kunstfigur, hinter der sie sich verstecken.
In Österreich ist da zum Beispiel Schauspieler Hubsi Kramar, der sich vor der Staatsoper als Adolf Hitler gezeigt hat. Oder der fiktive grönländische Schriftsteller Kobuk. Der Aktivist der Kommunikationsguerilla, der damals am Werk war, hieß Helmut Qualtinger. Der Kabarettist informierte 1951 die Presse unter anderem Namen über die bevorstehende Ankunft des berühmten Eskimodichters Kobuk. Die Medienleute berichteten schon im Vorfeld über den berühmten Mann, der aus der Kälte nach Wien kommen sollte. Am 3. Juli 1951 wartete eine Schar von Presseleuten auf den Autor. Aus dem Zug stieg Qualtinger alias Kobuk, in Pelzmantel und Pelzmütze gehüllt. Ein Reporter fragte Kobuk, wie ihm Wien gefalle. Der antwortete: „Haaß is!“

Champagner-Trinken vor dem Parlament

Eine andere Methode der Kommunikationsguerilla ist die Überaffirmation, also übertriebenes Bejubeln von etwas, das man eigentlich kritisiert. „Es gibt eine Linzer Künstlergruppe die das sehr erfolgreich betreibt“, sagt Voigt. „Die Freunde des Wohlstandes laufen mit den Statussymbolen der Upperclass herum und machen eine Demo, um Karl-Heinz Grasser zu unterstützen, weil der Arme so durch den Schmutz gezogen wird. Oder sie veranstalten eine Großwildjagd in Schönbrunn, trinken Champagner vor dem Parlament, tragen Koffer voll Geld in eine Bank um sich an der Bankenrettung zu beteiligen.“ Auf ihrer Webseite kündigt die oberösterreichische Truppe an, dass man mit dem Erwerb eines Kalenders die Minderheitenrechte der Besserverdiener unterstützen kann. Auch der Song Du bist nicht du wenn du Arm bist ist für die nahe Zukunft geplant.

Hans Christian Voigt
Alexandra Gruber
Hans Christian Voigt

Die Kriegsführung der Kommunikationsguerilla bewegt sich auf symbolischer Ebene“, sagt Voigt. Als Beispiel dafür fällt ihm der „Angriff“ auf das Karl Lueger-Denkmal ein. Lueger war von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister und unter anderem für seinen Antisemitismus bekannt. Vor ein paar Jahren überlagerte das Schema einer Abrissbirne das Denkmal auf öffentlichen Plakaten und einer Webseite, die den Wettbewerb zur Umgestaltung dieses Denkmals im Zentrum Wiens auslobte. „Die Personen des Angriffs kamen aus dem Umfeld der Wiener Universität für angewandte Kunst. Der klassische Zugang wäre gewesen, einfach den Abriss des Denkmals zu fordern. Stattdessen arbeiteten diese Leute mit Symbolen“, erklärt Voigt.

Tarnung und Rückzug

Wer sich mit den Mächtigen anlegt, läuft Gefahr, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. „Bei der Kriminalisierung von Aktivisten der Kommunikationsguerilla lässt sich vieles an den Haaren herbeiziehen“, sagt Voigt. „Zum Beispiel Täuschung, weil man sich als jemand anderer ausgegeben hat, Verletzung von Markenrechten, Betrug, Herabwürdigung von irgendwelchen Gefühlen.“ Darum gehört Tarnung und schneller Rückzug zum Werkzeugkoffer der Kommunikationsguerilla.
„Das sieht man am Handbuch der Kommunikationsguerilla. Das Buch ist bereits in der x-ten Auflage erschienen, und bis heute weiß man nicht genau, wer es geschrieben hat.“
Voigts Erfahrungen mit Kommunikationsguerilla sind nicht nur theoretischer Natur. Er selbst hat im Zuge der Studentenproteste 2009 bei unibrennt mitgearbeitet und sich an diversen Aktionen beteiligt. „Wir haben an einem Projekt für die Ars Electronica gearbeitet, wo unibrennt den zweiten Preis in einer Kategorie gewonnen. Es hat sich herausgestellt, dass wir vom Verfassungsschutz beobachtet wurden. Auch ich habe damals einige seltsame Anrufe, immer nach dem gleichen Muster, bekommen.“

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