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Smaragdrausch in den Bergen
Smaragdrausch in den Bergen, by Alexandra Gruber
Alexandra Gruber
Schatzsuche

Smaragd-Rausch in den Alpen

Tuesday, 3. June 2014
Ende der 50-er Jahre wurde in Salzburg ein Riesensmaragd gefunden. Der „Stern vom Habachtal“ ging damals durch alle Medien und lockte zahlreiche Glücksritter in den Pinzgau.
Habachtal
Alexandra Gruber
Naturparadies Habachtal

Der frischgebackene Millionär wurde den Journalisten bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Sommer 1957 präsentiert. Der Kärntner Hermann Krautzer habe den „Stern vom Habachtal“ gefunden, einen Smaragd von etwa 180 Karat. Der Stein sei ungefähr vier Millionen Schilling Wert, verkündeten die Medien. „Smaragdrausch in Österreich“, „Unser Wilder Westen im Schürftaumel“, „Jagd nach dem grünen Feuer“ und „Der Stern vom Habachtal“ lauteten die Schlagzeilen.

Dieser grüner Riese sollte in den österreichischen Alpen gefunden worden sein? Smaragde dieser Größe vermutet man in einem ganz anderen Teil der Welt, Kolumbien oder Brasilien etwa, und nicht im Salzburger Pinzgau. Und doch, im Habachtal, einem der schönsten Tauerntäler, liegt das bedeutenste Smaragdvorkommen Europas.

„Nach ein paar Tagen am Berg war ich fertig“

Alois Steiner, Habachtal
Alexandra Gruber
Zeitzeuge Alois Steiner

Schon seit Jahren hatte es Krautzer immer wieder in das Habachtal gezogen, um sein Glück zu versuchen. Der Zeitzeuge und passionierte Mineraliensammler Alois Steiner – nomen est omen – erinnert sich: „Krautzer ist mit der Bahn im Habachtal angekommen, nur mit Stiefel und Rucksack. Er war ein armer Teufel.“ Steiner und sein Sohn Andreas haben seit 2004 die Rechte am Smaragdabbau aus dem Stollen gepachtet. Der 72-Jährige Alois hat die Leidenschaft für Smaragde von seinem Vater geerbt, 2011 feierte die Familie „100 Jahre Steine suchen“. Denn 1911 hat der gleichnamige Vater von Alois Steiner als Hirtenbub seinen ersten Kristall auf der Alm gefunden, Alois Steiner Junior selbst war bei seinem ersten Kristallfund zehn Jahre.

Mitte der Fünfziger Jahre lernte Steiner am Berg Hermann Krautzer kennen. „Er hat mir gesagt: ,Lois, du musst Smaragde suchen. Die anderen Steine überlass den anderen. Mit Smaragden findest du eher dein Auskommen‘. Das gab für mich den Ausschlag. Wir waren ja bei Gott nicht reich, wir waren zehn Kinder und hatten vier Kühe. Krautzer hat von uns auch Steine als Kommissionsware entgegengenommen. Die er nicht verkaufen konnte, hat er alle wieder zurückgebracht. Ich kannte ihn nur als grundehrlichen Menschen.“

Alois Steiner ging oft an sein Limit. „Wenn ich drei, vier, Tage oben am Berg war, bin ich total fertig gewesen. Da oben ist es so anstrengend, das muss irgendwie mit der Strahlung zu tun haben. Die drei Tage, an denen ich wieder unten im Tal war, hab ich nur geschwitzt.“ Selbstredend stieg Steiner tags darauf bereits wieder zum Stollen hinauf. „Der Anfang war sehr schwierig. Erst nach dreizehn Jahren mühsamer Arbeit hatte ich ein bisschen Erfolg.“

Wert von zwei Millionen Schilling

Gasthaus Alpenrose, Habachtal
Alexandra Gruber
Gasthaus Alpenrose

Unwirtlich und nass sei es gewesen, und die Männer hätten sich in den Bergen zum Teil nur von Brennnesseln ernährt, aus denen sie Spinat machten. Doch für Krautzer schienen sich Mühe und Anstrengung zu lohnen. An einem Tag im Sommer 1957 hielt er endlich einen kinderhandgroßen Smaragd in seinen Händen. Krautzer war außer sich vor Freude. Zu Hause zeigte er den Stein seiner Frau und seinem Schwager. Steiner erinnert sich an das erste Pressefoto, das von Krautzers Smaragd gemacht wurde. „Der Rohstein sah aus wie eine Streichholzschachtel, ein bisschen verschoben, drei Kristalle nebeneinander, die parallel zusammengewachsen sind.“

Krautzer brachte den Stein zur Bearbeitung zu dem Wiener Edelsteinschleifer Roman Englisch. Der Juwelier schätzte das Fundstück auf einen Wert von zwei Millionen Schilling und bot an, ein Mittelstück von 40 Karat herauszuschleifen. Aufgeregt informierte Englisch gegen den ausdrücklichen Wunsch seines Kunden die Zeitungsreporter. Inzwischen war der Wert des Steines schon auf vier Millionen Schilling „angewachsen“. Ein 180-Karäter aus dem Habachtal sei gefunden worden, schrieb die Presse. Vom Smaragdrausch benebelt kündigte der Kärntner sofort seinen Job, und das Habachtal erlebte einen Ansturm von abenteuerlustigen und gierigen Glücksrittern, die Fremdenbetten wurden knapp. „Da ist es im Habachtal zugegangen wie im El Dorado bei den Goldwäschern,“ sagt Alois Steiner. „Die Alpenrose war immer voll. Wenn einer einen Stein gefunden hat, ist ein telefonischer Rundruf rausgegangen, so schnell konnten die Medien gar nicht sein.“

Grüne Steine im Bach

Habachtal, Smaragde, Schatzsuche
Alexandra Gruber
Mit dem Sieb am Leckbach

Das Gasthaus „Alpenrose“ gibt es noch heute. Den sogenannten „Smaragdweg“ wandert man am Eingang des Tales von einem Parkplatz in etwa zwei bis drei Stunden zu Fuß hinauf. Hinter dem Wirtshaus trifft der Leckbach, der hoch oben im Berg entspringt, die Habach. Weil der Bach oft kleine, grüne Steine mitschwemmt, suchen noch heute Hobbysammler mit Sieben und Schaufeln in dem sandigen Schutt nach Smaragden. Das Bergwerk kann man heute nicht mehr betreten, und der Aufstieg ist rutschig und glitschig.

Den zweiten Teil lesen Sie hier

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