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Snow Owl
Snow Owl , by Gustavo Allidi Bernasconi
The Blue Road

Snow Owl

Sonntag, 19. Juni 2016
Drei Jahre lang reist Juan Garcia-Herreros mit seinem Aufnahmegerät und seiner Kontrabass-Gitarre um die Welt und trifft Musiker_innen aus verschiedensten Kulturkreisen. Nun hat er sein Album „The Blue Road“ fertig gestellt: Vielschichtiger World-Jazz abseits von Ethno-Klischees. Verbindendes Element ist dabei seine einzigartige Kontrabass-Gitarre.

Spricht man Juan Garcia-Herreros auf seine Bassgitarre an, beginnt er zu schwärmen, von Mensurlängen, Quintstimmungen und davon, dass sein Gitarrenbauer Andreas Neubauer eigentlich unmögliches geleistet hat: eine Gitarre zu bauen, die den doppelten Tonumfang eines normalen Basses hat, die auch unorthodoxe Stimmungen aushält, ohne sich zu verbiegen.

Was wie nerdiger Enthusiasmus klingt, erweist sich als gut durchdachtes, zentrales Element seines Schaffens: Garcia-Herreros, der sich seiner kolumbianisch-indianischen Herkunft gemäß auch „The Snow Owl“ nennt, ist ein musikalischer Weltreisender. Lateinamerikanische Percussions, Wiener Streicher, westafrikanische Sakralchöre und bulgarische Tupan-Trommeln finden bei ihm zueinander – ganz organisch und ungekünstelt, abseits des Ethnokitsches, der oft mit dem Label „World-Music“ verbunden ist.

Es geht ihm nicht um das Sammeln möglichst exotischer Klangfarben, sondern um respektvolle Auseinandersetzung mit anderen Kulturen. Und hier kommt seine Kontrabass-Gitarre ins Spiel: „Die traditionellen Instrumente der verschiedenen Kulturen sind, wie sie sind. Sie haben einen bestimmten Tonumfang und eine bestimmte Klangfarbe. Die Vielseitigkeit meines Basses macht einen Dialog mit diesen Instrumenten überhaupt erst möglich.“

The Blue Road

Dieser Dialog passiert auf dem Album „The Blue Road“ äußerst behutsam und mit viel Respekt: vor der Aufnahme des Stückes „Ne Togo Ye Sadjouma“ holte er sich die Erlaubnis des Grand Griot, eines spirituellen Führers ein: „Nicht jeder darf mit den Griots deren sakrale Musik spielen. Jede Note des Balafons ist auch ein Satz: man kann mit dem Instrument buchstäblich sprechen. Ich habe von Mamadou ein paar Phrasen gelernt und bin damit zum Grand Griot gefahren. Ich habe ihn auf dem Bass in der Balafon-Sprache begrüßt und um die Erlaubnis gefragt. Offenbar hat ihm gefallen, was er gehört hat, denn er hat zugestimmt. Die Griot haben mir dann sogar die Ehre erwiesen und mir den Zeremoniennamen „Sadjouma“ (Snow Owl) gegeben.“

Andere Stücke des Albums bewegen sich in komplett anderen musikalischen Traditionen: in „Bu(ho)ñuelitos“ treffen Walzer, Jazz und der Kolumbianisch-Venezolanische Tanz „Pasillo“ aufeinander. Bei der Hommage an gebackene Teigbällchen („Buñuelos“) spielen Musiker_innen aus Bulgarien, Venezuela, Kolumbien und Österreich mit so unterschiedlichen Instrumenten wie der bulgarischen Tupan-Trommel und der Kaval-Flöte, den lateinamerikanischen Maracas, Mundharmonika und Violinen. „Bach to the Future“ spielt mit der Frage, wie Johann Sebastian Backs Oevre geklungen hätte, wäre er Kolumbianer gewesen.

The only man who can unite the world

Die Musiker_innen für das Album sind wohl ausgesucht: von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker und des Radiosymphonieorchesters über die kolumbianische Violinistin Alejandra Maria, dem mehrfachen venezolanischen Grammypreisträger Roberto Quintero, dem bulgarischen Perkussionisten Stoyan Yankulov, der haitianischen Emmygewinnerin SuCh bis hin zum Wiener Mundharmonikameister Bertl Mayer. Der belgische Radiomoderator Nico Kanakaris sagt über das Album: „[Snow Owl is] the only man who can unite the world“.

Dass die Kommunikation bei den gemeinsamen Aufnahmen nicht immer unproblematisch waren, versteht sich. „Das große Sprachenchaos und die oft sehr lustigen Mißverständnisse lösten sich sofort auf, sobald der erste Ton gespielt war“.

Der blaue, rote und gelbe

Der Albumtitel „The Blue Road“ bedeutet für Garcia-Herreros auch eine spirituelle Reise. Im Glauben der kolumbianischen Indianer gibt es drei Wege, die ein Mensch einschlagen kann: den blauen, den roten und gelben Pfad. Der Blaue Pfad steht für die Spiritualität, die Verbindung zwischen dem Universum und der physischen Welt auf der Erde. Das nächste Album wird sich mit dem Roten Pfad beschäftigen, der ein Weg der Körperlichkeit, des Blutes ist. Ein Album über den Gelben Pfad, der ein Weg der Balance zwischen dem Blauen und dem Roten Pfad darstellt, soll die Trilogie abschließen. Garcia-Herreros wird demnächst also den Blauen, den spirituellen Pfad verlassen und dem Roten Pfad folgen. Im August reist er nach Spanien, um sich den Aufnahmeort des zweiten Albums anzusehen: ein Schloss, das seit mehr als 800 Jahren vom spanischen Zweig seiner Familie bewohnt wird und durch diese Blutlinie den perfekten Ort für die Aufnahmen für den „Roten Pfad“ bietet.

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