Error message

  • Deprecated function: Methods with the same name as their class will not be constructors in a future version of PHP; Markdown_Parser has a deprecated constructor in require_once() (line 341 of /www/htdocs/w0115499/!seiten/diezeitschrift.at/includes/module.inc).
  • Deprecated function: Methods with the same name as their class will not be constructors in a future version of PHP; MarkdownExtra_Parser has a deprecated constructor in require_once() (line 341 of /www/htdocs/w0115499/!seiten/diezeitschrift.at/includes/module.inc).

68 Mal Wurst

Es geht um die Wurst! Nein, nicht schon wieder beim Song Contest. Beim Wettfressen. Österreich ist in dieser Beziehung bedauerlicherweise nur ein Entwicklungsland…

Ich habe einen neuen Lieblingssportler. Eigentlich bin ich zufällig bei ihm gelandet, nachdem meine Fernbedienung über den Nathan’s Famous Hot Dog Eating Contest gestolpert war. Sicher hat mein bisheriger Superstar, der Billard-Spieler Ronnie O’Sullivan das Finale der Snooker-Weltmeisterschaft nur verloren, weil ich nicht den richtigen Sender gefunden habe.

Wurst, im wahrsten Sinn des Wortes. Denn jetzt habe ich ein neues Idol. Nein, nicht Conchita. Soweit reicht mein Nicht-Homophob-Sein auch wieder nicht, dass ich den Song Contest samt ProtagonistInnen seinet- oder ihretwegen gut finde. Womöglich sogar noch anschau‘ und anhör‘.

Nein, hier geht es zwar ebenfalls um die Wurst, aber mein Idol heißt Joseph Christian Chestnut und stammt aus Kalifornien. Joey ist 30, studiert Maschinenbau und ist ebenso wenig blad wie die beiden anderen Superstars der Vielfraß-Branche Takeru Kobayashi und Sonya Thomas. Keine Ahnung, wieso die schlank bleiben. Joey schafft es jedenfalls, 68 Hot Dogs – also 68x Wurst samt Weckerl – innerhalb von zehn Minuten zu vertilgen. Doch das ist keineswegs sein einziger Weltrekord:

4,44 Kilo Schweinsripperln in 12 Minuten in Nevada.
2,04 Kilo Steaks inklusive Beilage in 52 Sekunden in Texas.
4,08 Kilo frittierter Spargel bei den World Asparagus Eating Championships in Kalifornien.
241 Chicken Wings bei der Wing Bowl XVI in Philadelphia, Pennsylvania.
4,76 Kilo Macaroni mit Käse in 7 Minuten in San Jose, Kalifornien.
103 Hamburger bei der Burger-WM in Chattanooga, Tennessee. (In der Disziplin Cheesburger muss er eingefädelt haben…)
Und eben 68 Hot Dogs beim Nathan’s Famous Hot Dog Eating Contest in New York. Diese Mutter aller Fressschlachten wird seit 1916 Jahr für Jahr am Amerikanischen Unabhängigkeitstag (4. Juli) in der ehemaligen Spieler-Metropole Coney Island abgehalten.

Ein Mann frisst sich durch einen Kontinent wie durchs Schlaraffenland. Und er ist keineswegs der einzige. Doch Joey ist derzeit das Aushängeschild der International Federation of Competitive Eating. Um die mehr als hundert unkontrolliert wuchernden Fressveranstaltungen unter einen Schirm zu bringen, haben zwei amerikanische Brüder diese Organisation 1997 gegründet.

Nun, werden Sie sagen: Einer allein kann ja auch unmöglich so deppert sein! Gemessen am Zivilisationsstand des fortschreitenden 21. Jahrhunderts eine berechtigte Randbemerkung, doch inzwischen organisiert die IFOCE 235 derartige Events jährlich, die Brüder George und Richard Shea wurden zu Multimillionären, sämtliche Fast-Food-Konzerne sind aufgesprungen.

Nun, werden Sie sagen: So deppert können nur die Amis sein! Gemessen am Zivilisationsstand des fortschreitenden 21. Jahrhunderts eine weitere berechtigte Randbemerkung, doch inzwischen organisiert die IFOCE Wettbewerbe in Japan, Großbritannien, Deutschland, Kanada und Thailand. Es ist also eine echte Schande, dass die Heimat des Würschtlstandes, der Gulaschkanone und des Bröselteppichs mit ein paar kaum beachteten Schnackerlveranstaltungen im wahrsten Sinn des Wortes auf Diät bleibt.

Wie lange werde ich warten müssen, bevor ich Joey endlich live zujubeln darf, wenn er seine Gegner beim Langos-Wettfressen unterm Riesenrad zum Kotzen bringt? Wenn er den Wiener Mehlspeisen-Platzhirsch mit der 46 Sachertorte zum Teufel jagt? Wenn er sich Aug‘ in Aug‘ mit einem Lederhosen-Stierwascher zum 953. Mal die Mozartkugel gibt und seinen Sieg mit einem kleinen Bäuerchen quittiert?

Natürlich, solche Hochleistungssportarten bergen auch gewisse Risiken: Immer wieder gibt es Schwerverletzte und Tote. Und da sind zum Beispiel die rund 2000 Hendln gar nicht mitgerechnet, die vor einem einzigen Chicken Wings Contest geköpft werden müssen.
Vor nicht allzu langer Zeit verendete ein 32-jähriger Mann gar jämmerlich, nachdem er sich bei einem Kakerlaken-Wettessen in Florida anscheinend geringfügig übernommen hatte. Bei einem Wareniki-Wettfressen starb ein 77-Jähriger Ukrainer unmittelbar nach dem siegbringenden Teigtascherl an multiplem Organversagen. Tja, aber ganz ohne Risiko ist eine Sportart halt auch nicht wirklich spektakulär, oder?

Was? Jeder achte Mensch auf diesem Planeten leidet an Hunger? Und was soll das jetzt bitte für ein blödes Argument sein?

Das unüberschaubare Feld des Sports pflügt und pflegt Jürgen Preusser, seit er 19 Jahre ist. Hauptsächlich und lange Zeit hauptberuflich journalistisch. Von zehn Olympischen Spielen durfte er vor Ort berichten. Segeln, Spielen und Schreiben – das ist und bleibt seine S-Klasse. Wien sieht ihn nur noch in Ausnahmefällen, der Wienerwald hingegen dauernd.