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Der Gipfel der Selbstherrlichkeit

Fußball erinnert mich irgendwie an Donald Trump: Er kann sich alles erlauben, sitzt aber unangefochten und mächtiger denn je auf dem hohen Ross.

Die Gruppen sind ausgelost, die Termine stehen fest: Sie wird also tatsächlich in Russland stattfinden, die Fußball-WM 2018. Es bedarf gar keiner investigativen Recherche, um zweifelsfrei zu belegen, dass alle Fußball-Weltmeisterschaften der vergangenen Jahrzehnte (definitiv seit 1991) auf korrupteste Weise vergeben wurden. Das kriminelle System rund um den schließlich doch irgendwann entthronten FIFA-Präsidenten Sepp Blatter ließ alles zu. Wirklich alles: Die gleichzeitig erfolgte Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 bildete nur die Doppelspitze eines Eisbergs. Ein paar Stichworte zum neuen Präsidenten Gianni Infantino gefällig? Erste Tat: Rücknahme von Reformen, die mehr Transparenz garantiert hätten. Nächster Schritt: Trennung von der Rechtsanwaltskanzlei Quinn Emmanuel, die mit der Aufarbeitung der unzähligen Korruptionsfälle beauftragt wurde. Im Raum steht: Entlassung aller Ethik-Kommissare. Eine Untersuchung durch den Europarat ist im Gang. Aufgrund des US-amerikanischen Corrupt Organizations Act könnte die FIFA außerdem unter Mafia-Verdacht geraten. Der Weltfußball wird von Männern (ausschließlich Männern!) regiert, die den Hals nicht voll kriegen können. Völlig ungeniert stopfen sie jeden Cent, den dieser Sport einspielt, in sich hinein. Die Fernsehstationen in ihrem grotesken Konkurrenzkampf treiben die Summen ins Unermessliche. Götzenverehrung par excellence. Die Fußball-Elite befindet sich in einem rechtsfreien Raum. Wo kein Kläger, da kein Richter. Dass heutzutage kein Unrechtsbewusstsein zu erwarten ist, weiß man ja aus der Politik. Alle Fußball-Institutionen sitzen in der Schweiz. Geballte Selbstherrlichkeit in einer geschützten Werkstatt – eine fatale Kombination. Steuerlich bevorzugt, jenseits jeglicher juristischer Zugriffsmöglichkeit. Der Welt-Fußballverband unterläuft mit der nie ernsthaft hinterfragten Durchführung der WM in Russland auch die allgemeine harte Linie gegen Putin und seine Spießgesellen. Krimkrise? Wurscht. Krieg in der Ostukraine? Wurscht. Der FIFA ist internationale Diplomatie generell wurscht. Eine Verlegung der WM in ein anderes Land wurde nicht einmal im Ansatz diskutiert. „Wir haben sehr gewissenhaft entschieden, dass…bla, bla, bla!“ Auch der weltweit hörbare mediale Aufschrei in der Sekunde der Vergabe an Katar 2022 wurde von der FIFA nicht einmal ignoriert: „Man werde prüfen…“ hieß es. Schnarch. Keiner prüfte irgendwas, weil ohnehin jeder wusste, was geschehen war. Was juckt es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt? Das Internationale Olympische Komitee hat viele russische Sportler ausgeschlossen. Jetzt versucht das IOC auch Druck auf den Fußball zu machen, weil Russland aufgrund des Staatsdoping-Skandals nicht einmal eine Kontrollinstitution für die WM zur Verfügung stellen kann. Der Fußball entzieht sich dem Willen des internationalen Sports, heißt es sinngemäß. Völliger Unsinn natürlich: Der internationale Sport hat keinen Willen. Der Fußball zählt – und sonst nix. Sollen sie uns doch ausschließen von den Olympischen Spielen, sagt die FIFA. Viele glauben, dass sich das IOC aus Angst vor König Fußball niemals ins eigene Knie schießen würde. Auch das ist Unsinn. Und was für einer! Olympia könnte sehr gut ohne Fußball auskommen. Die halbherzige Bekenntnis der Fußball-Machos zu Olympischen Spielen, wo im Gegensatz zu allen anderen Sportarten sowieso nur Unter-23-Teams antreten dürfen, interessiert echte Fußball-Fans etwa so brennend wie Eis-Angeln in Grönland. Dass das IOC den Fußball nicht aus dem Programm schmeißt, hat womöglich einen ganz anderen Grund: IOC-Präsident Thomas Bach, ein Jurist und 1976 Olympiasieger im Fechten, ist mit Putin eng befreundet. Pitschi-patschi, würde man in Wien sagen. Bachs Vorgehen gegen den russischen Doping-Skandal reichte gerade einmal bis zum erhobenen Zeigefinger: „Du! Du! Du, Wladimir!“ Verschwörungstheorie? Mitnichten. Nur zur Erinnerung: Laut des so genannten McLaren-Reports 2016 hatten russische Geheimdienste und Behörden flächendeckend im großen Stil betriebenes Staatsdoping über viele Jahre gedeckt. Noch dazu wurde dieses System von der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA organisiert. An dieser Stelle müsste man die Phrase „Den Bock zum Gärtner machen“ völlig neu definieren. Freund Wladi hat immerhin 7,3 Milliarden Euro in die WM investiert. 2015 mussten Einsparungsmaßnahmen bei den Stadien beschlossen werden. Wegen der bösen, bösen Sanktionen gegen Russland. Zähneknirschend musste die FIFA akzeptieren, dass nicht alle Stadien in der geplanten Größe gebaut werden können. Das bedeutet auch weniger Einnahmen. Da werden womöglich auf der einen oder anderen Karibik-Yacht ein paar goldene Beschläge fehlen. Aber: Nicht traurig sein, liebe FIFA-Bonzen: 2022 wird die Fußball-WM absurderweise in der absolutistischen Monarchie Katar mit ihren 2,7-Millionen-Einwohnern im Hochsommer mitten in der Wüste stattfinden. Katar ist zwar nur so groß wie Oberösterreich. Doch wenn auf knapp 12.000 Quadratkilometern 12 riesige WM-Stadien mit einem Fassungsvermögen von durchschnittlich 50.000 Zuschauern um rund 50 Milliarden Euro gebaut werden, dann werden doch wohl auch für euch wieder ein paar Goldbröserln als Entschädigung abfallen. Pfeif‘ drauf, dass man die Stadien mit aberwitzigen Energieschleudern auf Normaltemperatur runterkühlen wird. Pfeif‘ auf den weltweit höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf. Pfeif‘ auf die menschenunwürdige Behandlung von Arbeitsmigranten, die besonders beim Stadionbau ausgebeutet werden. Pfeif‘ auf Scharia. Pfeif‘ auf die mutmaßliche Unterstützung von Terrororganisationen, die dem Staatsoberhaupt Katars übrigens von Donald Trump vorgeworfen worden war. Das war allerdings bevor Trump dem Emir 35 F-15-Kampfjets um 12 Milliarden Dollar verkaufte. Schwamm drüber! So schließt sich der Kreis ja doch noch. Pfeif‘ auf pazifistische Klimawandel-Gutmenschen. Hauptsache die Fußballwelt ist in Ordnung… Bis zum Schlusspfiff.

Jürgen Preusser
Das unüberschaubare Feld des Sports pflügt und pflegt Jürgen Preusser, seit er 19 Jahre ist. Hauptsächlich und lange Zeit hauptberuflich journalistisch. Von zehn Olympischen Spielen durfte er vor Ort berichten. Segeln, Spielen und Schreiben – das ist und bleibt seine S-Klasse. Wien sieht ihn nur noch in Ausnahmefällen, der Wienerwald hingegen dauernd.