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Hooooolodaro

Wäre ich Franco Foda, würde meine erste Handlung darin bestehen, meinen Rücktritt bekannt zu geben. Wenn man den Granden des Österreichischen Fußballbundes Glauben schenken darf, hat der bedauernswerte Mann offenbar den Schwarzen Peter gezogen, weshalb er jetzt den Fußball-Teamchef geben muss.

Da Foda hot g’sogt, I soll ’s Heu obe trog’n, hoooolodaro.

I hob’s foisch vastond‘n hob’s Keibl daschlog’n, hoooolodaro…

Etwa auf dem Niveau dieses Meisterstücks literarisch wertvoller Volkskunst agiert die Kommunikationsabteilung des österreichischen Fußballbundes. Das Beste daran: Dieser Vorwurf ist nicht klagbar, weil der ÖFB gar keine Kommunikationsabteilung hat.

Von selbiger – in der Person des Presse- und Marketing-Chefs Wolfgang Gramann – hatte man sich nämlich schon im Juni getrennt. Da zuvor auch noch Wuchtel-Wurlitzer Gigi Ludwig als medienerfahrener Generalsekretär in Pension gegangen war, wurde eben herumgewurschtelt.

Zuerst die entwürdigende Absetzung des Teamchefs Marcel Koller. Dann die Hals-über-Kopf-Bestellung des neuen Sportdirektors Peter Schöttel, der mangels Vorbereitungszeit ankündigte, nach dem Konzept des rausgeschmissenen Vorgängers Ruttensteiner weiter arbeiten zu wollen. Schließlich die halböffentliche Erstellung einer so genannten „short list“ der Teamchef-Kandidaten.

All diese Handlungen waren von atemberaubendem Dilettantismus getragen. Vor allem, weil die so genannten „Landesfürsten“ (= Verbandspräsidenten der neun Bundesländer) wie immer bei wichtigen Entscheidungen plötzlich Hauptrollen spielen durften. Diese stehen ihnen vom Statut her zwar zu, sind aber vielen von ihnen um fünf Nummern zu groß.

Der Refrain des oben abgesungenen Volksliedes lautet:

Geht’s Leutl’n, des is hoit da steirische Brauch, hoooolodaro.

Fix, Oasch, Holllodaro, holllodaro, holllodaro….

Und jetzt passt der Vergleich nimmer, denn der steirische Präsident bildete eine der löblichen Ausnahmen in dieser Provinz-Posse. Die Hauptrolle war hingegen dem niederösterreichischen Fußball-Häuptling Johann Gartner förmlich auf den Leib geschrieben.

Und dann kam die Bestellung Franco Fodas mit der Begründung, dass alle anderen eh abgesagt hätten. So ein Glück aber auch! Viel Schlimmer hätte man einem neuen Teamchef den Einstieg nicht versauen können. Naja, Schöttel und Präsident Leo Windtner hätten auch sagen können: „Leider haben wir ausgerechnet diesen Piefke nehmen müssen.“ Oder: „Wir entschuldigen uns in aller Form bei allen österreichischen Fußballfans für diese Entscheidung.“ Oder: „Liebe Journalisten, wir bitten Sie eindringlich, sogar diesem Vollkoffer eine faire Chance zu geben!“ Oder: „Er ist zwar ein Wurschtl, aber wenigstens billig.“ (Letzteres haben sie sinngemäß ohnehin gesagt.)

Zum Glück haben sich viele Deutsche daran gewöhnt, von Österreichern beleidigt zu werden.

Foda wohl erst recht, denn er lebt seit zwanzig Jahren in diesem Land und gehört gewissermaßen längst zum steirischen Brauch(tum). Auch wenn jetzt der steirische Parade-Klub Sturm Graz – derzeit Tabellenführer der höchsten österreichischen Spielklasse – seinen im Grunde sehr beliebten Trainer an das Nationalteam verliert. Darin wiederum wittern ein paar Unguided Missiles der Social-Media-Blase prompt eine dieser typischen Wiener Verschwörungen. Was allerdings auch ein bisserl absurd ist, weil Rapid und Austria vom Meistertitel etwa so weit entfernt sind wie Red Bull Salzburg von der Champions League. Oder Scheibbs von Nebraska.

Der einzige Hoffnungsschimmer in diesem österreichischen Provinztheater: Franco Foda ist ein guter Mann. Er hat sich tatsächlich diese Chance verdient. Er kann auf einer soliden Basis aufbauen, die sein Vorgänger Marcel Koller geschaffen hatte. Und vielleicht schunkeln die österreichischen Fans schon bald zu einer neuen Strophe vom „Steirischen Brauch“:

Zum Foda hom’s g’sogt er soll Teamtrainer werd’n, hoooolodaro.

Jetz‘ bringt er sogoa seine Piefke zum rean, hoooolodaro…

Das unüberschaubare Feld des Sports pflügt und pflegt Jürgen Preusser, seit er 19 Jahre ist. Hauptsächlich und lange Zeit hauptberuflich journalistisch. Von zehn Olympischen Spielen durfte er vor Ort berichten. Segeln, Spielen und Schreiben – das ist und bleibt seine S-Klasse. Wien sieht ihn nur noch in Ausnahmefällen, der Wienerwald hingegen dauernd.