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tansania-klein.jpg, by IOG
NGO

Ingenieure ohne Grenzen

Thursday, 31. March 2016
Wenn die Vereinsmitglieder von „Ingenieure ohne Grenzen“ ihre Taschen packen, um nach Tansania zu fliegen, legen sie auch Maßstäbe, GPS-fähige Geräte und Baupläne hinein. Zwei Wochen lang werden sie in abgelegenen Gebieten Menschen zeigen, wie man aus lokal verfügbaren Materialien Hochtanks und Schulen baut.

Wenn Matthias Böck über den lokalen Markt in Bukoba geht, sucht er nicht nach Souvenirs, sondern nach Baumaterialien. Im Nachbarort der tansanischen Provinzstadt soll ein Ausbildungszentrum für landwirtschaftliche Berufe entstehen.

Der studierte Maschinenbauer ist Obmann des Vereins „Ingenieure ohne Grenzen Austria“. Bei seinen Reisen sind ihm immer wieder die unzureichende Wasserversorgung oder fehlende Hygienemaßnahmen in Schulen aufgefallen. Also suchte er eine Möglichkeit, seine Leidenschaft zu reisen damit zu verbinden, seine Expertise vor Ort einzusetzen und schloss sich dem Verein an. Ziel der Ingenieur_innen ist, die Projekte gemeinsam mit der Bevölkerung umzusetzen: Schulen, Internetzugang und Zugang zu sauberem Wasser. Wichtig ist ihnen, dass die Infrastruktur von den BewohnerInnen gewartet und repariert werden kann: „Es ist die klassische Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Böck. „Wir fahren nicht in die Länder und stellen ihnen ein fix fertiges Werkl hin, sondern unterstützen die Menschen vor Ort. Wir zeigen ihnen, wie sie sich mit vorhandenem Werkzeug und lokal verfügbaren Materialien selbst ein Haus, ein Wassersystem und eine Schule bauen können.“

„SaWaS" - Tansania

„Ich will meine Fähigkeiten so einsetzen, dass ich nicht nur davon leben kann, sondern auch etwas Sinnvolles tun kann,“ sagt er. Deshalb flog er letztes Jahr gemeinsam mit zwei anderen Vereinsmitgliedern nach Tansania, fuhr sechs Stunden lang über holprige Schotterpisten nach Biharamulo, nahe dem Victoriasee. In der Region leben 95 % der Menschen von der Landwirtschaft. „Wie in den meisten Projekten ist der Zugang zu sauberem Wasser das Hauptthema. Hier gibt es kein Wassermanagement,“ sagt Böck. Wasser ist zwar vorhanden, das nicht vorhandene Abwassermanagement und die fehlerhaft gebauten Toilettenanlagen verseuchen aber das Grundwasser.

Im Rahmen des Projekts sollen deswegen für die vorhandene Volksschule neue Sanitäranlagen, Zisternen für die Regenwasserspeicherung und Hochtanks inklusive einem Wasserverteilnetz für die Duschanlagen gebaut werden.

Gemeinsam mit der Grazer Non-Profi-Organisation „MOJO-Fullscale Studio“ und der lokalen Diözese plant „Ingenieure ohne Grenzen“ auch ein neues landwirtschaftliches und handwerkliches Ausbildungszentrum mit Trockentrenntoiletten und einer Pflanzenkläranlage.

75 % der Kinder brechen nach der Grundschule ihre Ausbildung ab, um ihren Familien in der Landwirtschaft zu helfen oder später in die Stadt zu ziehen. Das Ausbildungszentrum mit Internat und landwirtschaftlichem Musterbetrieb soll ihnen einen Anreiz und eine Möglichkeit bieten, ihre Ausbildung fortzuführen. Anfangs in zwei Klassen und nach Fertigstellung in sechs Jahren sollen bis zu 600 Ausbildungsplätze für Schüler_innen vorhanden sein. Das Fachwissen, wie man Wasser speichert und nachhaltige Landwirtschaft betreibt, wird auch von internationalen Fachleuten vermittelt werden.

Papayaschnaps

Zwei Wochen lang waren die ProjektteilnehmerInnen unterwegs, haben auf lokalen Märkten nach Materialhändlern gesucht, sich mit den lokalen ProjektpartnerInnen getroffen, sind durch den Busch gefahren, waren bei Familien zum Essen eingeladen, kochten selbst für die Schulkantine einer Grundschule, schlugen sich mit der Bürokratie herum, besuchten einen farbenfrohen Sonntagsgottesdienst und tranken Papayaschnaps mit Tonic Water mit Blick auf den Sonnenuntergang hinter dem Lake Victoria. Bei den Projekten soll auch das Reiseerlebnis nicht zu kurz kommen.

Togo – „TailoringTogo“

Inzwischen hat der Verein mehrere Regionalgruppen in ganz Österreich mit unterschiedlichen Projektschwerpunkten. Die Wiener Gruppe etwa baut ein Ausbildungszentrum für Batik und Schneiderei in Kpalimè, Togo. Zusammen mit der NGO „The Force“, die sich für Frauenrechte und Emanzipation einsetzt, sollen junge Frauen einen Beruf erlernen und so die Möglichkeit haben, unabhängig zu werden und sich aus der Tradition von Zwangsheirat zu lösen.

Im Sommer letzten Jahres reisten drei Ingenieur_innen nach Kpalimè, vermaßen das Grundstück, nahmen Bodenproben und holten Kostenvoranschläge von lokalen Bauunternehmen ein. Momentan errechnet das interdisziplinäre Team die Statik, zeichnet Pläne für die elektrischen Leitungen und die Wasserführung.

Gleichzeitig hat die Wiener Regionalgruppe während der „Flüchtlingskrise“ auch „Powercubes“ entwickelt: eine Kombination aus WLAN und Ladestation für Smartphones, die anfangs auf einigen österreichischen Bahnhöfen und jetzt auch in Flüchtlingsunterkünften helfen, mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben.

Weitere Regionalgruppen bereiten Projekte für Mexiko und Nepal vor. In Graz wird am Projekt LeNi gearbeitet, welches alleinerziehende Mütter in Nicaragua unterstützt.

LeNi – „Ein Dach über dem Kopf“

Am Stadtrand von Leon in Nicaragua wohnen alleinerziehende Mütter in Hütten aus verrottetem Holz, löchrigem Plastik, faulendem Karton und rostigem Wellblech ohne Anschluss an fließendes Wasser oder an das Kanalsystem. Die Einnahmen, die sie aus dem Verkauf von Zeitungen, Fisch oder Backwaren erhalten, reichen kaum zum Überleben. Staatliche Unterstützung oder Alimente gibt es nicht.

Jedes Jahr stehen während der Regenzeit die Hütten unter Wasser, werden zu Brutstätten von Mosquitos, die das Dengue-Fieber oder die Malaria übertragen. Das Projekt „LeNi – Ein Dach über dem Kopf“ entwickelt ein 18 m² großes Haus, gebaut nach einem einfachen Baukastensystem aus lokalen und recycelbaren Materialien, damit die Betroffenen ihre Häuser selbst aufstellen können.
Langfristig ist auch ein nachhaltiges Wasserver- und Entsorgungssystem geplant.

Nicht nur die Menschen in Tansania, Togo oder Nicaragua profitieren von den Projekten, sondern auch die Vereinsmitglieder. „Einerseits gibt es die Möglichkeit, neue Kulturen kennen zu lernen und andererseits können wir Wissen weitergeben. Deshalb engagieren sich rund 100 Vereinsmitglieder, darunter Großteils StudentInnen und TechnikerInnen, im Verein,“ sagt Böck. „Es gibt uns mehr Energie als ein All-inklusive-Strandurlaub.“

Infobox

Vereine „Ingenieure ohne Grenzen“ bestehen in Deutschland und in der Schweiz schon seit mehr als zehn Jahren. In Österreich wurde der Verein 2013 in Salzburg gegründet.

Die Projekte werden Großteils über Spenden und über Förderungen vom Land und Staat finanziert.
Mitmachen kann jede/r, man muss kein/e IngenieurIn sein. Auch z.B. Rechtsexpert_innen, Grafiker_innen, Texter_innen und IT-Fachleute können ehrenamtlich mitarbeiten.

Die Mitgliedsgebühren betragen für Student_innen 30 Euro, für Erwerbstätige 60 Euro pro Jahr. Sie werden für etwaige Versicherungen, administrative Kosten und Projekte verwendet. Weitere Informationen: www.iog-austria.at

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