bockwerk

Mustapha arbeitete bei einem Radiosender in Gambia, der regierungskritische Beiträge sendete. Offenbar war er zu kritisch, die Polizei verhaftete ihn. Man warf ihm Verrat und Sabotage vor. Monatelang wurde er in einem Camp festgehalten, so schwer gefoltert und misshandelt, dass er schließlich ob seiner lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Von dort gelang ihm die Flucht über das Mittelmeer nach Spanien und weiter bis nach Traiskirchen. Zwei Jahre später zog er im Flüchtlingshaus von Ute Bock ein.
Fünf Jahre lang wartete er auf einen Bescheid von der Behörde über den Ausgang seines Asylverfahrens. Während der ganzen fünf Jahre war er Untätigkeit verurteilt. Er durfte nicht arbeiten.
bockwerk
Christian Penz ist Sozialarbeiter beim Verein Flüchtlingshilfe Ute Bock. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass die allermeisten der 80 Bewohner des Hauses in der Zohmanngasse und der 130 Personen in den externen Wohnprojekten ein dringendes Anliegen ist, etwas zu tun zu haben: zu kochen und nach der Post zu schauen, ist auf Dauer zu wenig Lebensinhalt. Deswegen hat Penz das Projekt „bockwerk“ [2] gegründet: AsylwerberInnen können ehrenamtlich in einem kleinen Atelier Designerstücke bauen. Die Idee ist nicht neu: In Berlin gibt es den Verein Cucula [3], wo Flüchtlinge seit einigen Monaten nach den Entwürfen des italienischen Designers Enzo Mari Möbel fertigen.
Penz wollte in Wien etwas ähnliches aufbauen: Das Architektenbüro pøl sagte zu, Möbel für das „bockwerk“ zu designen. Inzwischen fertigen in einem kleinen Atelier AsylwerberInnen drei Arten von Stühlen. Diese werden in einem Stecksystem ohne Nägel und Schrauben gefertigt und können in jeweils drei verschiedenen Varianten zusammengesteckt werden. Diana aus Armenien – auch sie kam als Asylwerberin nach Österreich und hat inzwischen eine Arbeitserlaubnis, schneidert und designed die Bepolsterung.
Crowdfunding

Momentan sind auch ein Tisch und ein Hocker in Planung. Alle Werkstücke sollen in naher Zukunft von weiteren HausbewohnerInnen der Zohmanngasse künstlerisch veredelt werden. Penz hofft, dass renommierte KünstlerInnen etwas Zeit spenden und mit den AsylwerberInnen Workshops veranstalten und ihnen dabei das Handwerk des Malens vermitteln. Der ganz große Wunsch ist es, neben einem Online-Shop auch eine eigene Werkstatt zu haben, um bis zu zehn AsylwerberInnen ehrenamtlich beschäftigen zu können.
Um all die Pläne zu verwirklichen, startet das „bockwerk“ am 28. Oktober 2015 um 12.00 Uhr eine Crowdfunding-Kampagne auf wemakeit.at [4]. Als Goodies erhalten die Unterstützer die Sessel: der Kindersessel ist für 95 Euro zu haben, der Stuhl um 180 und der Fauteuil um 360 Euro. Aber auch kleinere Beträge helfen: dafür gibt es die klassische Dankeschön-Postkarte, ein kleines Buch mit den Möbelplänen und den Geschichten der Leute, Stoffbeutel und eine kleine Version des Sessels als Kaktusständer. Ab 560 Euro gibt es die Möglichkeit, den Fauteuil im Rahmen eines Workshops mit den drei Jungtischlern selbst zu bauen. Sobald die erste Finanzierungsschwelle – 30.000 Euro – geschafft ist, kann das bockwerk weitere vier Monate mit den AsylwerberInnen arbeiten, mit Erreichen der zweiten Schwelle (60.000 Euro) wären acht Monate in einer großen Werkstatt finanziert und man könnte bis zu zehn Personen ausbilden.
Die AsylwerberInnen lernen in dem Projekt nicht nur ein Handwerk, sondern sie verbessern auch ihre Sprachkenntnisse und erhöhen damit die Chancen auf ein Bleiberecht.