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Hilde und Gretl
Hilde und Gretl, by Brandstätter Verlag
Rezension

Hilde & Gretl

Sonntag, 4. März 2018
Der Gründer des Fotomuseums Westlicht Peter Coeln kaufte in Gars am Kamp ein Haus und der ORF-Journalist Tarek Leitner half ihm beim ausräumen. Sie reisten in den Alltag zweier Frauen, die wirklich alles gesammelt und katalogisiert haben.

Als Peter Coeln und Tarek Leitner das Haus der Cousinen Hilde und Gretl betraten lagen am Tisch noch Weihnachtsgeschenke. Die beiden Bewohnerinnen hatten sie nicht mehr öffnen können. Sie waren am Weihnachtsabend ins Krankenhaus gebracht worden und verstarben dort. Dann stand das Haus, das ehemalige Schuhhaus Höfler, jahrelang leer. Bis Coeln es kaufte und Leitner ihm half es auszuräumen. Sie fanden ein Museum des Alltags.

Die Cousinen Hilde und Gretl verbrachten fast ihr ganzes Leben in diesem Haus und sie hatten penibel alles gesammelt und auch katalogisiert. Hundertfünfzig Jahre Familiengeschichte abgelegt in Ordner und beschrifteten Kartons, neben tausenden ausgeschnittene Zeitungsartikel sortiert nach Themen; ihr eigenes Wikipedia verpackt in Strumpfpakete.

Leitner zog sich eine geblümten Morgenrock der Damen an und setzte sich einen ihrer Strohhüte auf. Er schlüpfte in die Rolle des „Aufhebers“, „des Retters aller Dinge“ und entwickelte dafür ein neues Ordnungssystem. Als Archäologe des Alltags, als „Kramurologe“ arbeitete er sich von Kastel zu Kastel, von Schachterl zu Schachterl, von Briefkuvert zu Briefkuvert und fand einen Kosmos des 20. Jahrhunderts: Notgeld und Wirtschaftswunder, Weltspartagesgeschenke und Kriegsgefangenengelddosen, Urlaubsfotos und Seniorenwindeln, Kalender und Feldpostbriefe aus beiden Weltkriegen. Er verpackte hunderte Engerln, Madonnen, Deckerln, Osterhasen, Bügeleisen, Taschenlampen, Kerzen, Uhren und Radios sortenrein in Kisten. Beim Stiadeln stellte er sich die Frage was für Wert all diese Dinge hatten und haben. Für die Frauen war es ihr Leben, für den „Aufheber“ kuriose Sachen, für den Altwarenhändler verkäufliche Waren.

Peter Coeln fotografierte die Reise in die Welt der Cousinen und Tarek Leitner schrieb darüber. Das Buch Hilde & Gretl ist bei Brandstätter erschienen und entführt Leser_innen in die Welt der beiden Frauen und stellt gleichzeitig die große Frage, was wird von uns bleiben, wenn wir einmal nicht mehr sind.

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