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Hirsch Fisch
Hirsch Fisch, by Marliese Mendel
Musik

Hirsch Fisch und Hermann Nitsch

Sonntag, 24. November 2019
Im geschichtsträchtigen Perinetkeller stellte das Duo Hirsch Fisch seine Single "Zweite Kassa bitte" vor - einer Hymne auf den Grant der Wiener_innen.

Der Gründer der Boulevardzeitung Augustin, Robert Sommer, hat auch was mit dem Perinetkeller (1200 Wien) und dem dort beheimateten Institut ohne direkte Eigenschaften zu tun. Vor 52 Jahre mauerten sich Wiener Aktionisten hier ein. Sommer erzählt davon, wie einer der Aktionisten, der Maler Hermann Nitsch, vor drei Wochen, den Keller wieder besuchte. „Er war angefressen. Er hatte vergessen, dass es steile Holzstufen gibt und er wollte schon wieder gehen. Er konnte überzeugt werden zu bleiben.“

Sie setzten ihn neben den Kanonenofen und er taute auf. Erzählte vom Blutrausch. Als sich einige Künstler im Perinetkeller verbarrikadierten. Draußen kursierten Gerüchte. Drinnen hatten sie ein sanitäres Problem. Es gab kein Klo. Die Leute erzählten sich, dass im Keller Schafe geschlachtet werden würden oder alternativ, Sexorgien stattfinden - die gehen ja immer. Als die Polizei die Vermauerung aufbrach, war die erste Frage des Polizisten: „Wo sind die Weiber?“

Hirsch Fisch

Die Präsentation der neuen Vinyl-Single von Hirsch Fisch kam ohne Polizeieinsatz aus. Hirsch Fisch, dass sind beiden Steirer Norbert Trummer und Klaus Tschabitzer, die schon vor 20 Jahren gemeinsam als Band Scheffenbichler ungewöhnliches spielten. Benannt hat sich das Duo nach einer Figur aus dem Roman „Hotel Savoy“ von Joseph Roth.

Für die Präsentation der Single – Zweite Kassa bitte - haben sie keine Kosten gescheut, neben der traditionellen 10-Lampen-Lichterkette haben sie jetzt auch eine neue Lichtorgel mit zwei Lichtern installiert.

Das Konzert begann mit einer Werbeeinschaltung. Es gibt eine neue CD „In da Nocht“ und Single. Beide schon auf Ö1 gespielt. In Keller stimmen sie die alten Lieder der Debütplatte „Hirsch Fisch“. Von Frauen in Astronautenjacken, rosa Wolken über der Donau und beim Lied mit der Bohrmaschine singt das Publikum mit. Auf der Bühne unterstützte der Bua von Tschabitzer und Mitglied der Band Buntspecht das Duo mit der Trompete.

Im Deckel des Harmoniums stecken Bilder vom Schriftsteller Oswald Wiener mit Banjo und ein Foto von Stan and Laurie. Deren Fanclub nennt sich Sons of the desert. Davon inspiriert haben Hirsch Fisch das Lied „Söhne der Wüste“ geschrieben – über das wienerisch sein der Wiener_innen, die zwar wissen, dass hinter dem Horizont das Glück wartet, es aber nicht sehen können und deshalb lieber zurück gehen.

Im Lied, dem Welthit in spe, „Zweite Kassa bitte“ erzählen sie vom Grant der Wiener_innen, die alles wissen und trotzdem unrund sind. „Wir sind melancholische Menschen und schließen mit einem traurigen Lied“, kündigt das Duo an. Es ist ein autobiografischen Lied: „Ich bin eine Zwiderwurzen, die nicht weiß über was ich lachen soll.“ Das Publikum weiß das schon, lacht herzlich bei den höchst eigenwilligen Verknüpfungen von Bluegrass-Country mit hiesigem Dialekt, Dadaismus aka H.C. Artmann und der Wiener Gruppe.

Herrlich lustig, herrlich böse.

Platten, CDs bestellten bei www.earlymorningmelody.com

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