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Marliese Mendel
Finanzierung

Virtueller Bierdeckel

Mittwoch, 13. August 2014
Die schlechte Nachricht zuerst: Nur acht Prozent der Onlinemedien-Leser sind bereit, für journalistische Inhalte im Netz zu bezahlen. Die größten Kritikpunkte an Paid Content sind teure und mangelhafte Bezahlmöglichkeiten. Die gute Nachricht: Das deutsche Start-up LaterPay bietet seit letztem Jahr eine einfache Micropaymentlösung an.

Der Micropayment-Enabler ermöglicht Lesern von Blogs und Online-Medien für einzelne Artikel, Grafiken und Videos geringe Beträge zu bezahlen. Webseitenbetreiber können mit der LaterPay-Lösung Artikel individuell bepreisen, einzeln oder paketiert und verkaufen – ähnlich wie das Etikettieren von Waren im Supermarkt mit Preisschildern in beliebiger Höhe. Der Leser muss sich weder registrieren noch einloggen, um den Beitrag zu lesen, sondern nur via Mausklick zustimmen, später für den Inhalt zu bezahlen. Bei Nichtgefallen des Artikels kann der Konsument künftig sogar vom Kauf zurücktreten. Ein Algorithmus schützt Urheber, Autoren und Verlage vor Missbrauch der Rücktrittsfunktion. Sobald der Leser Inhalte für insgesamt fünf Euro konsumiert hat, muss er sich registrieren, um das Geld an LaterPay zu überweisen. Diese transferieren es an die Urheber weiter.

LaterPay bietet zwei Modelle an: „Pay-per-use“: Leser bezahlen für einen kompletten Artikel. „ Free to Read“ : eine Kombination aus kostenpflichtigen und kostenlosen Inhalten. Der Blogpost kann gratis sein, ein Video, eine Grafik oder andere Premium-Inhalte können kostenpflichtig sein.

Ist LaterPay also die Rettung des Online-Journalismus? dieZeitschrift.at hat beim LaterPay-CEO Cosmin Ene nachgefragt.

Sushi

Cosmin Ene ist CEO des Micropayment-Enablers LaterPay
Hagen von Deylen PHOTOGPAPHIE
CEO Laterpay: Cosmin Ene

dieZeitschrift: Wie kamen Sie auf die Idee?

CE: Wir diskutierten, warum Micropayment nicht funktioniert und warum Kleinstinhalte nicht verkauft werden können. Es gibt keine wirtschaftlich sinnvolle Möglichkeit, journalistische Inhalte für fünf Cent anzubieten. Die Transaktionskosten pro Überweisung liegen zwischen 20 und 45 Cent. Wir aßen in einem Running Sushi Lokal. Auf einem Band fuhren die Teller mit Essen vorbei, wir wählten einzelne Angebot aus und zum Schluss machte der Wirt anhand der leeren Teller die Rechnung. Wir bezahlten also nur für tatsächlich konsumierte Dinge.

dieZeitschrift: Wie funktioniert LaterPay?

CE: Die meisten Nutzer von Online-Angeboten steigen aus, sobald sich sich registrieren müssen oder persönliche Daten angeben sollen. Einerseits wollen Leser nicht vorab für Artikel bezahlen, andererseits haben Content-Anbieter die Wirtschaftlichkeit ihres Netzangebotes im Auge.

Bei LaterPay braucht sich der Nutzer anfangs nicht zu registrieren. Nach nur einem Mausklick, der Zustimmung später zu bezahlen, kann er binnen Sekunden den Inhalt lesen. Auf einem virtuellen Bierdeckel werden die bestätigten Zahlungszustimmungen gesammelt. Sobald der User fünf Euro für Online-Inhalte ausgegeben hat, registriert er sich bei LaterPay und bezahlt seine Rechnung.

Wir behalten 15 Prozent aller Zahlungen als Provision ein. Darin enthalten sind alle Gebühren für die Zahlungsanbieter (Kreditkarte, Lastschrift, Sofortüberweisung und demnächst auch PayPal). Der Restbetrag, also 85 Prozent, wird an die jeweiligen Webseitenbetreiber ausgezahlt.

Bierdeckel

Screenshot der Zahlungsaufforderung des Reportagenmagazins weeklys
dieZeitschrift
Screenshot weeklys

dieZeitschrift: Pop ups nerven doch, oder?

CE: In diesem Fall nicht, es ist ein kontextsensitiver Dialog. Nutzer klicken auf Artikel mit Preisschildern und erwartet einen Dialog mit weiteren Anweisungen. Sobald ein Zahlungsdialog aufpoppt, klicken die meisten User weg. Sie wollen nicht die Katze im Sack kaufen. Mit der LaterPay-Funktion sehen sie einen einfachen, instinktiv verständlichen Dialog: Jetzt weiternutzen und erst bei fünf Euro bezahlen. Stimmt der User nicht zu, kann er den Artikel nicht lesen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass Content-Anbieter Artikel kostenlos zur Verfügung stellen und nur auf Bonusmaterial wie Fotos, Transkript, Interviews, Videos und Infografiken ein Preisschild kleben.

Außerdem werden wir in den nächsten Monaten die Rückgabefunktion für Inhalte aktivieren. Im echten Leben kann man Produkte auch zurückgeben, also warum nicht auch Artikel im Netz? Ein Algorithmus schützt Urheber, Autoren und Verlage vor Missbrauch der Rücktrittsfunktion.

dieZeitschrift: Heute hat fast jeder mehrere Devices, auf denen Inhalte gelesen werden. Tablett, Handy, Computer, etc.. Jedes Gerät hat seine eigene IP-Adresse und einen Browserfingerprint. Wie kann LaterPay sicherstellen, dass User das System nicht missbrauchen, indem sie von verschiedenen Geräten auf kostenpflichtige Artikel zugreifen?

CE: Sobald der User fünf Euro erreicht hat, registriert er sich und bezahlt. Macht er das nicht, kann er mit diesem Gerät keine weiteren LaterPay-Inhalte mehr konsumieren, das Gerät macht salopp gesprochen bei Bezahlinhalten „zu“ . Hat ein User die fünf Euro bezahlt, kann er sich von allen Geräten einloggen und auf alle Inhalte zugreifen, für die er bezahlt hat. Erst von da an wissen wir, dass alle bezahlten Inhalte dem gleichen Bierdeckel zuzurechnen sind.

Micropayment-Enablement-System

dieZeitschrift: Wie viele Plattformen verwenden LaterPay schon?

CE: Momentan verwenden drei Webseiten LaterPay: Gutjahr, lousypennies, weeklys. LaterPay ist erst vor kurzem live gegangen und unser Micropayment-Enablement-System ist noch ganz neu. Jetzt werden weitere Kunden zugeschaltet. Es gibt Voranmeldungen im ordentlichen dreistelligen Bereich.

dieZeitschrift: Welche Voraussetzungen gibt es, um das LaterPay-Sytem auf einer Webseite einzubauen?

CE: Der Content müssen im rechtlich legalen Rahmen sein, wir erlauben beispielsweise keine jugendgefährdenden Inhalte. Momentan funktioniert LaterPay aus steuerlichen Gründen nur in Deutschland. Wir erstellen für Content-Anbieter Rechnungen mit ausgewiesener Mehrwertsteuer, die vom Finanzamt akzeptiert werden. Die österreichische Mehrwertsteuer ist noch nicht eingebunden, steht aber auf der Agenda und kommt in den nächsten Monaten.

dieZeitschrift: Wie kann man LaterPay auf einer Webseite einbauen?

CE: Für Wordpress gibt bereits ein Plug-In, und der Webseitenbetreiber kann es ohne viel Knowhow auf seiner Seite implementieren. Für andere CMS-Systeme gibt es eine direkte Schnittstelle.

Tool für Contentschaffende

dieZeitschrift: Wird LaterPay den Online-Journalismus retten?

CE: Das ist gleich eine so hochgegriffene Ambition. LaterPay hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Bestmögliche zu tun, um der Branche der Contentschaffenden ein Tool zur Verfügung zu stellen, damit sie ihre Inhalte rentabel verkaufen können. Wie gut das funktionieren wird und in welchem Maße der Markt das annimmt, hängt natürlich auch von der Qualität der Inhalte und der Zahlungsbereitschaft der Leser ab. Der Webseitenbetreiber kann entscheiden, für welche Artikel bezahlt werden soll und kann individuell festlegen, was der Inhalt kostet. Der User kann entscheiden, ob er für den Inhalt bezahlen will.

dieZeitschrift: Werden Leser nicht durch Zahlungsaufforderungen vertrieben?

CE: Mit LaterPay ist Entfernung vom Diktat der Reichweite möglich. Buzzblogs funktionieren über Reichweite: der Teaser klingt spannend, der Inhalt ist enttäuschend. Mit LaterPay braucht der Webseitenbetreiber nicht 200.000 Besucher, um Geld zu verdienen. Es reichen 50 Leute, die ein paar Cent für den Artikel bezahlen, um gleich viel zu verdienen wie Blogs mit hoher Reichweite durch Bannerwerbung. Mit LaterPay als Monetarisierungslösung kann man mit Inhalten überzeugen. Gute Inhalte binden Kunden an die Webseite, sie bezahlen gerne für interessante Artikel und kommen zurück und bezahlen wieder. Außerdem kann man durch die Zahlungsbereitschaft der Leser herausfinden, wofür sie bereit sind zu bezahlen.

dieZeitschrift: Sind die Leute bereit zu bezahlen?

CE: Der mehrfach ausgezeichnete Journalist und Nachrichtenmoderator Richard Gutjahr hatte bei einem Artikel eine Conversionrate von 5 Prozent. Er erhielt hunderte Zuschriften von Lesern. Niemand beklagte sich, dass er für den Artikel bezahlen musste. Einige meinten sogar, dass 19 Cent für den Beitrag zu günstig wäre. In der vierwöchigen Testphase hat Gutjahr pro 1.000 Seitenaufrufe 17,00 Euro verdient. Also gemessen am einzelnen Artikel wesentlich mehr, als er mit Bannerwerbung hätte erwirtschaften können.

Das zeigt uns, dass Leser bereit sind für Inhalte zu bezahlen, wenn man ihnen einen Mehrwert in der Form hochwertiger Inhalte bietet und ihnen die Nutzung einfach gestaltet.

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