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Marliese Mendel
Musik

Von fahrenden Musikantenstrizzis und kastrierten Dudelsäcken

Monday, 8. September 2014
Herbert Pixner lud zum Festival der „Neuen Volksmusik“ am Red Bull Ring. Kernige Musikanten, tätowierte Geigenspieler, Sänger mit seltsamen Bärten und sexy Dudelsackspielerinnen folgen dem Festivalcredo: „Tradition und Moderne, vertraut und ungewöhnlich, laut und leise“.
Herbert Pixner spielt beim Musikfestival "Neue Volksmusik" in Spielberg
Marliese Mendel
Herbert Pixner

Der Südtiroler Musikant Herbert Pixner spielte schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, ein Festival für neue Volksmusik zu veranstalten. Deshalb kam ihm das Angebot von Red Bull, ein solches zu organisieren, sehr gelegen. Trotzdem sagte er nicht gleich zu: Seine Bedingung war, dass das Festival für neue Volksmusik wachsen dürfe, abseits von ökonomischen Erwartungen, „dass nicht gleich 20.000 Menschen nach Spielberg pilgern müssen“.

Er wollte ein Festival, fern ab von großen Volksmusik-Verwertungs-Anstalten. Red Bull akzeptierte die Bedingungen, und 2013 fand das erste „Spielberg Musikfestival“ statt. Waren es damals noch knapp 500 Besucher, fanden sich heuer schon 8000 Zuschauer rund um den Spielberg-Ring in der Steiermark ein.

Das Festival ist nicht irgendein Crossover-Festival, wo einfach traditionelle Stücke mit E-Gitarren angereichert werden, sondern es verbindet Strömungen neuer Volksmusik auf Augenhöhe mit traditionellen, alpinen Elementen.

Tradition trifft Moderne

Trotz Dauerregen hat das Publikum gute Laune
Marliese Mendel

An neun Veranstaltungsorten spielten 18 Bands; umrahmt wurde das Festival von Musikantenworkshops. Am Sonntag gab es eine Feldmesse und einen Familientag. Tradition trifft Moderne.

Red Bull und ServusTV organisierten die Veranstaltung so perfekt wie die Musiker spielten; Das Essen ist gut und wird auf Porzellantellern serviert. Die Klos sind auch nach 12 Stunden noch sauber. Teams wischen in den Regenpausen die Bierbänke trocken. Acht Kameras nehmen das Festival auf. Die Securitymitarbeiter lachen selbst im strömenden Regen noch.

Dudelsack, Brass und Moshpit

Saskia Konz ist leidenschaftliche Dudelsackspielerin
Marliese Mendel
Saskia Konz

Anida a Noar eröffnet das Open Air mit Nasenflöten und erstaunlichen Geschichten.

Es folgt das Herbert Pixner Projekt, das sein Publikum schon mit den ersten Takten begeistert. Mit Tiroler Volksharfe, Harmonika, Gitarre und Kontrabass spielen sie ungewöhnliche Eigenkompositionen und gekonnte Improvisationen.

Die Bläsertruppe „da Blechhauf’n XXL“ wird ihrem Credo „100 % Music, 100 % Brass und 100% Power“ gerecht. Dass Dublin und Bad Aussee näher liegen als gedacht, dass Tuba und Dudelsack zusammenpassen, zeigen „IRISHsteirsch“. Die „kleinste Bigband der Welt“, „HMBC“, präsentiert Lieder von der neuen CD.

Die vier fahrenden Musikantenstrizzis mit vielen Tattoos und eigenwilligen Bärten von „Django3000“ spielen in Discolautstärke akustische Rockmusik mit Gipsy-Elementen und verwandeln den Zuschauerraum in einen Moshpit. Goran Bregovic brachte das Wedding und Funeral Orchestra mit und Weltmusik auf die Bühne.

Heidi Pixner ist schüchtern

Michael Ostrovski moderiert für Servus TV eine Doku über das Musikfestival in Spielberg
Marliese Mendel
Michael Ostrowski

Der Schauspieler Michael Ostrowski folgte mit vielen Kameras die Musikanten. Er dreht für Servus TV eine 75-minütige Dokumentation.

In kleinen Holzhütten hat jede Gruppe ihren Stand. Die Volksmusiker plaudern mit ihren Fans. Beantworten spezifische Fragen. Signieren CDs. Als Heidi Pixner zum Stand geht, begleitetet sie spontaner Applaus. Sie ist fast überrascht, reagiert schüchtern mit einer Verbeugung.

Factbox

Zum Nachschauen: Spielberg Musikfestival 2014: Das Konzert Teil 1: Freitag 26.09., 21.15 Uhr auf Servus TV.
Konzert Teil 2: Samstag 27.09.2014, 15.35 Uhr
Ostrowski – Nächste Ausfahrt Volksmusik: Freitag, 03.10.2014, 21.15
Zum Nachhören: Herbert Pixner und das Spielberg Musikfestival: Bergwild

Zwölf Stunden geballte Ladung „Neue Volksmusik“: innovativ, ungewöhnlich, vertraut, laut und leise. Pixner ist sehr zufrieden, „Die Leute sind ein Wahnsinn, es regnet seit in der Früh. Sie stehen seit Mittag im Regen!“

Was tut man nicht alles für gute Musik?

Aniada a Noar

Aniada a Noar spielt auf Nasenflöten, singenden Sägen
Marliese Mendel
Aniada a Noar

Unter den Zelten drängen sich die Besucher. Aniada a Noar steht auf der Bühne. Das Trio spielt auf Nasenflöten, Mandolinen und singenden Sägen. Seit mehr als 30 Jahren spielen sie gemeinsam: Ursprünglich eine Country-Band, sind sie seit langem für ihre Volksmusik mit eigensinniger Instrumentierung und tiefsinnigen Texten bekannt.

Dass sie trotz ihres kritischen Liedguts auch „echte“ Musikanten sind, zeigt sich darin, dass man sie auch für Hochzeiten und Feste buchen kann – in verschiedenen Besetzungen. Trotz des Regens tanzt das Publikum zu den Liedern, zur umgedichteten steirischen Landeshymne und zu traditionellen Tänzen.

Andreas Safer erzählt zu den einzelnen Liedern Geschichten: Nachdem sie in Ratzingers Heimatort Marktl das Lied vom heiligen Franziskus gespielt haben, wurde zuerst Ratzinger Papst und sein Nachfolger heißt Franziskus. Sie singen auch vom Teufel, der um Aufnahme in den Himmel bettelt, weil in der Hölle nur mehr Scheinheilige und Katholiken sind.

Herbert Pixner Projekt

Herbert Pixner spielt beim Musikfestival "Neue Volksmusik" in Spielberg
Marliese Mendel
Herbert Pixner

Heidi und Herbert Pixner, Manuel Randi und Werner Unterlercher kommen auf die Bühne. In ihrer Musik ist Tradition und "Neues" kein Gegensatz. 
Die Mühe von Grenzüberschreitungen scheinen sie nicht nötig zu haben: Die Musikanten wechseln mühelos zwischen verschiedenen Genres, die Symbiose gelingt und die Instrumentalstücke klingen wunderbar.

Auch Pixner erzählt Geschichten zu ihren Liedern: Vom Blues-Brandtner, der dem Teufel für den Erfolg seine Seele verkauft. Im „Dreifachen“ zeigt das Quartett, dass es begnadet improvisieren kann: drei Taktarten wechseln einander ab. Pixner meint, er könne nicht garantieren, dass sie es schaffen würden, gemeinsam aufzuhören. Obwohl das Stück sehr schnell in furiose Improvisation ausartet, gelingt der Abschluss natürlich perfekt.

da Blechhauf'n XXL

Blechhaufen XXL
Marliese Mendel
Blechhauf'n XXL

Hinter der Bühne bereiten sich die sieben Musiker von Blechhauf'n XXL vor. Posaunen, Flügelhörner, eine Helikontuba, Schlagzeug, neun Mann. Ihre Musik ist genreübergreifend – Pop, Volksmusik, Jazz. Zwischen den Liedern werden Witze erzählt, der Tubaspieler spielt einhändig, der Schlagzeuger – der einzige Wiener im Haufen – muss sich Scherze von seinen „richtig ausgebildeten“ Mitmusikanten gefallen lassen: dieser habe als Städter das Handwerk nicht von der Pike auf gelernt und habe daher bei Märschen arge Defizite – aber es klappt trotzdem.

IRISHsteirisch

IrishSteirisch mit Dudelsack und Tuba
Marliese Mendel
IrishSteirisch

Die Welt wird kleiner, als IRISHsteirisch auf die Bühne kommen. Das Ausseer Land und Irland rücken eng zusammen: Die sechs Musikanten verbinden Folk- und Volxmusik, Irisches und Steirisches: Jigs, Reels, Jodler, Ausseer Fastnachttrommeln, Dudelsack (Special Guest: Saskia Konz), Scotland The Brave, das Pipi-Langstrumpf-Lied und vieles mehr.

Sie können hier ausprobieren, was in Gasthäusern nicht geht: für ihren „Arabischen Landler“ wären sie nach eigenem Bekunden wohl aus Wirtshäusern gejagt worden. Hier dürfen's des – und das Publikum dankt es.

Holstuonarmusigbigbandclub (HMBC)

Holstuonarmusigbigbandclub
Marliese Mendel
Holstuonarmusigbigbandclub

Die „kleinste Bigband der Welt“ mit ihrem unaussprechlichen Namen singt im Bregenzerwälder Dialekt, der für Auswärtige kaum verständlich ist. Erstaunlicherweise ist das Publikum trotzdem textsicher.

Die fünf Vorarlberger halten nichts von Schubladen und Zuschreibungen: „Einschränkungen machen keinen Sinn. Eine Selbstdefinition würde die Erwartungshaltung der Fans erhöhen und wir müssten uns einschränken. Es wäre, als würden wir uns dann selbst ein musikalisches Haxl stellen.“ Von Choralartigem mit Prince-Einsprengseln bis hin zu Balladen und zu ihrem Hit „Vo Mello bis ge Schoppornou" – gespielt wird alles, was Spaß macht.

Der musikalische Anarchismus wird nur durch das hervorragende Können der fünf im Zaum gehalten. Die Vielseitigkeit der Musikanten spiegelt sich im Publikum wieder: Männer mit Filzhüten Headbangen, Frauen in Dirndlkleider tanzen extasisch und eine Bolognese gibt es auch. Funky.

Django3000

Django 3000 beim Spielberg-Musikfestival
Marliese Mendel
Django 3000

Als letztes Jahr der „Stehgeiger des Wahnsinns“ Florian Starflinger, der Gitarrist und Frontsänger Kamil Müller, der „getürkte Bayer aus der Slowakei“, Kontrabass-Don-Giovanni Michael Fenzl sowie Drummer Jan-Philipp Wiesmann von der Bühne gingen, lud man sie stante pede wieder ein, auch 2014 zu spielen.

Die akustische Rockmusik mit Gipsy-Elementen zum Abdancen in Disco-Lautstärke geht in Kopf, Bauch und Beine. Die vier studierten Musiker mit seltsamen Bärten und vielen Tattoos benannten ihre Band nach dem belgisch-französischen Ausnahme-Gitarristen Django Reinhardt; das 3000 steht für die Moderne.

Sie spielen gerne in Spielberg, weil „die Grundbedingungen sind gut und das Essen ausgezeichnet. Bayerischer Dialekt, Hipster-Rockabilly-Anmutung, Musik, mit der sie auch auf jeder Ska-Party eine gute Figur machen würden – laut und genial.

Goran Bregović and his Wedding and Funeral Orchestra

Goran Bregovic
Marliese Mendel
Goran Bregovic

Der Komponist Goran Bregović, Sohn eines Kroaten und einer Serbin, verheiratet mit einer Bosnierin und bekannt als Filmkomponist, brachte eine Gipsy-Blaskapelle, bulgarische Polyphonie, Elektrogitarre, Schlagzeug, Streichinstrumente und Kirchensängerauf die Bühne. Seine Musik kennt die Grenzen zwischen Katholiken, orthodoxen Christen und Muslimen nicht, er wurde seinem Motto: If you don’t go crazy you’re not normal“ vollkommen gerecht.