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Bild, by Marliese Mendel
Haus des Meeres

Aquarium mit Wienblick

Donnerstag, 13. August 2015
In Europas einzigem Bunkeraquarium leben heute 10.000 Tiere. Dabei hatten einige Geschäftsleute und PolitikerInnen ganz andere Pläne für den Flakturm in Mariahilf.

Im Oktober 1957 stand am Dach des Flakturms in Mariahilf eine Gruppe von Menschen und starrte in den Himmel. Sie beobachteten durch Fernrohre den Flug des ersten künstlichen Erdsatelliten – die sowjetische Sputnik 1 – auf ihrem Weg ins Weltall. Zwischen 1954 und 1962 konnten BesucherInnen von der obersten Plattform des Turms unter der Anleitung der „Astronomischen Volksbildungsstelle Flakturm“ den Himmel beobachten.

Einige Stockwerke darunter trafen sich die Mitglieder des Vereins „Gesellschaft für Meeresbiologie“. Sie hatten sich Großes vorgenommen. Man wolle die „stiefmütterliche Behandlung“ der Aquaristik in Österreich endlich ein Ende setzen. Der Firmeninhaber Victor Otte unterstützte die Idee, stellte sogar seine privaten Aquarien zur Verfügung und schoss beträchtliche private Geldmittel zu. Leider trieb ihn sein Engagement in den Bankrott, er trat aus der Gesellschaft aus. Auch hielt sich das BesucherInneninteresse für die Fische in Grenzen und der Staat geizte mit Subventionen. 1965 wurde das Projekt schließlich gestoppt.

Tramwayfenster

Im Jahr darauf übernahm jedoch der Weltreisende Emmerich Schlosser die Geschäftsführung des Vereins. Er hatte in Australien rund 30.000 Schnecken und Muscheln gesammelt, diese wollte er nun ausstellen. Allerdings musste er dafür einen Teil der europaweit größten Meeresmuschelsammlung verkaufen und investierte sogar sein Geschäftsführergehalt, um Futter für die Fische kaufen zu können und die verrosteten Aquarien zu reparieren. Dabei wurde auch improvisiert: zu Bruch gegangenes Glas ersetzte er mit alten Tramwayfenstern. Die Renovierung wurde zu seiner Passion, zwei Jahre lang verließ er den Turm kaum.

Schließlich wurden die Zeitungen auf das Dilemma aufmerksam und berichteten über den einsamen Mann im Flakturm. Die Stadt Wien genehmigte daraufhin eine Subvention, damit konnten Sonderausstellungen kuratiert und so mehr BesucherInnen angelockt werden. Doch es war immer noch nicht genügend Geld vorhanden, um Tiere zu erwerben. Also fuhren die Gesellschaftsmitglieder nach Istrien und kauften den dortigen Fischern den Beifang ab oder rückten mit eigenen Netzen zum Fischfang aus. Oder die Aquaristiker flogen nach Kenia – mit Kinderschwimmbecken im Gepäck, in denen sie Korallenfische sammelten. In Plastiksackerl verpackt kamen diese per Flugzeug nach Wien. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, das den Transport von Tieren über Landesgrenzen limitiert hätte, gab es damals noch nicht.

Kroki und der Kuss der Königskobra

Mitte der 1970er-Jahre zogen die ersten Krokodile, Warane und Leguane in den Flakturm ein. So auch „Kroki“, ein südamerikanischer Kaiman, das aus einem Wiener Schrebergarten stammte und für 50 Jahre im Haus des Meeres leben sollte. Und der erste Hai kam ins Haus. Ein Wiener Tierhändler hatte den Ammenhai in einer Lieferung von Zierfischen gefunden und dem Aquarium übergeben.

Bald zogen auch die ersten Schlangen in den Turm ein. Das öffentliche „Giftmelken“ und der „Kuss der Königskobra“ wurden zu Publikumsattraktionen. Schon einige Jahre später rühmte man sich bereits die modernste Giftschlangenschau Europas zu zeigen. Heute findet man im Haus des Meeres eine ganze Menge an Gift- und Würgeschlangen, etwa den Inland-Taipan, die giftigste aller Landschlangen, aber auch Boas wie die Grüne Anakonda oder die sehr eigenartige Rote Eierschlange – sie ernährt sich tatsächlich ausschließlich von Eiern.

„Erinnern im Innern“

In der ganzen exotischen Pracht, die das Haus des Meeres heute bietet, haben die BetreiberInnen die Geschichte des Turms nicht vergessen. In den Gängen erzählt eine Ausstellung über die Hintergründe, die zur Errichtung des massiven Gebäudes geführt haben und bei speziellen Führungen erfährt man, dass der Turm in zehn Monaten (1943/44) von Zwangsarbeitern errichtet worden ist, dass 15 bis 17-Jährige Schüler zu Flakschützen ausgebildet wurden, dass bei Angriffen der Flugzeuge der Alliierten bis zu 3000 Granaten in den Wiener Himmel geschossen wurden. Dass bis zu 3000 Menschen in den Flaktürmen Schutz vor den Luftangriffen fanden. Und, dass es momentan wirtschaftlich keinen Sinn machen würde die Türme zu sprengen.

Mit der Seilbahn zum Kaffeemuseum

Es gibt freilich noch weitere Flaktürme in Wien, die ganz unterschiedlich genutzt werden. Einer der Flaktürme im Arenbergpark wird heute als Lager des Museums für Angewandte Kunst (MAK) benutzt, ein anderer – jener in der Stiftskaserne im siebten Bezirk wird vom österreichischen Bundesheer genutzt. Auch für den Turm des „Hauses des Meeres“ hatte es verschiedenste Pläne gegeben: 1976 entstand der nie umgesetzte Plan, das der Verpackungskünstler Christo den Turm einhüllen sollte, in den 1990er-Jahren wollte man eine Seilbahn auf den Flakturm bauen, eine Ladenzeile errichten und am Dach ein Kaffeemuseum. Andere planten wiederum, ein Kunsthotel zu bauen. Realisiert wurde letztlich eine Kletterwand an der Außenseite, eine Turmstiege, ein Restaurant am Dach und ein spektakulär angebautes gläsernes Tropenhaus. Dort leben heute Schildkröten, Vögel, Flughunde und Weißbüschelaffen. Heute leben mehr als 10.000 Tiere auf über 4.000 Quadratmeter im ehemaligen Flakturm.

Haus des Meeres
Fritz-Grünbaum-Platz 1
1060 Wien
Webseite: Haus des Meeres
Öffnungszeiten: Täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstags bis 21.00 Uhr

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