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Alexander Lauber
Alexander Lauber, by Oliver Rehbinder
Parfum

Wiener Blut

Sonntag, 1. Mai 2016
Alexander Lauber trägt Düfte im Kopf.

Alexander Lauber sagt, er sei so etwas wie ein „Duftforensiker“. In Archiven, Bibliotheken und bei Auktionen sucht er Literatur zu Parfums, nach deren Herkunft und historischer Einbettung in die Gesellschaft. Die Rechercheergebnisse inspirieren ihn zu seinen eigenen Kreationen. Begonnen hat er damit, als ihn sein Beruf als Creative Direktor in einer internationalen Agentur nicht mehr erfüllt hat. Er machte seine private Leidenschaft, Düfte zu kreieren, zu seinem neuen Beruf. Sechs Parfums hat er seit 2009 auf den Markt gebracht, mit Namen wie Ex Voto, Palais Nizam, Nord du Nord, Hesperia, Sale Marino und Volkamaria. Sein Label heißt „Wiener Blut“, eine Referenz auf Wien um die Jahrhundertwende.

Geboren in Massachusetts, ist Lauber oft mit seiner Familie umgezogen, zunächst an die Ostküste der USA, später nach Italien und letztlich nach Salzburg. Vielleicht sucht er seine eigene Identität deshalb in der Monarchie, setzt sich mit Vielvölkerstaat, Mode und eben Düften auseinander. Er stöberte nach Parfumrezepturen mit Namen wie Yachtclub, Berliner Wasser, Kiss Me Quick und Jockeyclub. Aus diesen Inspirationen kreierte er sein erstes Parfum: das "Klubwasser", einen Duft mit „Kümmelnote und grüner Blumigkeit“.

„Volkamaria“

Eine seiner Kreationen, das Parfum Sole Marino, wurde durch die Seebäder der Monarchie inspiriert: Mit der damals neuen Südbahn reisten Wiener_innen im 19. Jh. ans Meer, nach Opatija, Triest und Birjuni. Die salzige Luft an der Lorbeerküste, das Klima, dem Heilqualität zugesprochen wird, machte er zum Thema des Parfums.

Manchmal ist es aber auch ein einzelnes Wort, das ihn zu einem Duft inspiriert. Den Namen des Parfüms „Volkamaria“ findet er in einem Buch, in seinem Kopf entsteht die Idee eines Duftes. Er ist sich nicht sicher: Ist dies der Name einer Frau, einer Heiligen vielleicht? Das Internet gibt nicht viel her.

Er entdeckt, dass der schwedische Naturforscher Carl von Linné in der botanischen Taxomonie Zitrusgewächse nach seinem deutschen Kollegen Johann Georg Volkamer benannt hat. Jenem Mann, der 1708 das erste deutschsprachige Buch über Zitrusgewächse geschrieben hat. Citrus volkameriana heißt der Strauch, ein sehr seltener, alter Hybrid zwischen Zitrone und Bitterorange und die Volcameria japonica – ein weiß- und rotblühender Losstrauch. Lauber macht sich auf die Suche nach dem Strauch, nach der Geschichte des Parfums aus der Jahrhundertwende. In Holland findet er einen Steckling, zieht ihn auf seinem Balkon groß, erntet die nach Geißblatt und Maiglöckchen duftenden Blüten und bringt sie zu seinem Parfumeur. Aus dem Strauch, aus den Blüten kann aber kein Duft extrahiert werden. Also sucht Lauber weiter, entdeckt, dass das originale Parfum mit dem Strauch nichts zu tun hatte. Es war der exotische Name, der den Kreateur, die Käufer_innen interessierte.

Volkamaria war um die Jahrhundertwende der Inbegriff für Exotik, ein Hauch weite Welt, tropische Wälder in der damals nach Abwässern und Urin stinkenden Stadt Wien. Vier Jahre arbeitete Lauber gemeinsam mit dem Parfumeur an dem ursprünglich blumig Duft, er interpretierte ihn neu, macht ihn zu einem frischen Parfum mit Iris-, Mandarine- und Zitrusnote.

Abgefüllt hat er sie in kleiner Auflage, in Flacons mit prägnanten und davor ungesehenen Designs. Die Auswahl der Kleinteile, des Röhrchens, des Kragens, des Deckels sind ihm genauso wichtig, wie das Etikett. Die Flacons sind Großteils handgefertigt, charmant unregelmäßig, die Materialien edel, der Deckel aus Bakelit, einem Werkstoffe der sich anfühlt wie Elfenbein, niemals splittert und besonders widerstandsfähig ist.

Momentan entwickelt Lauber ein neues Parfum, spürt Wiener Persönlichkeiten und Geschichten hinterher, wie momentan Sigmund Freud und der Traumdeutung. Er forscht und baut Ideen nach, phantasiert den Wiener_innen und ihrer Abenteuer hinterher. Ein Duftforensiker eben.

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