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Max Benedikter
Max Benedikter, by Marliese Mendel
Online-Tageszeitung

salto.bz

Sonntag, 8. Juli 2018
Im Jahr 2012 beschlossen ein paar Idealisten aus Südtirol, eine Online-Tageszeitung zu gründen – ohne viel Ahnung von der Materie und ohne ein Medienhaus im Rücken. Sie trotzen Querschüssen aus lokalen Medienhäusern, meistern finanzielle Herausforderungen und liefern Qualitätsjournalismus. Fünf Jahre später ist salto.bz als positiv bilanzierendes, kritisches, zweisprachiges Medium mit großer Community aus der Südtiroler Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Vor fünf Jahren in Bozen: eine Gruppe von Idealisten will ein gesellschaftspolitisches Zeichen setzen. Sie wollen ein Online-Medium gründen, das der Südtiroler Realität Rechnung trägt – anders als die Zeitungen der etablierten Medienhäuser: man will zweisprachig sein, Bürger*innenjournalismus fördern und außerdem demokratisch organisiert sein. Ein ambitioniertes Projekt in dem von einem Monopolisten beherrschten Südtiroler Medienmarkt.

Sie gründen die Genossenschaft demos2.0 als Herausgeber der Online-Tageszeitung salto.bz. Jedes Mitglied der Genossenschaft hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der finanziellen Einlage. Damit sollen demokratische Mitbestimmung und Unabhängigkeit von finanzstarken Einflüsterern garantiert werden.

„Anfangs war es schwierig Unterstützerinnen zu finden, die Kapital in ein Onlinemedium ohne großes Medienhaus im Rücken investieren und Journalistinnen zu überzeugen, sich auf so ein verrücktes Experiment einzulassen. Schließlich ist es „nur“ eine Idee von idealistischen Aktivistinnen,“ sagt der Arzt und Genossenschaftspräsident Max Benedikter. Heute gibt es bei salto.bz rund 150 Genossenschaftsmitglieder, sechs gerecht entlohnte Mitarbeiterinnen und eine Vielzahl von Selbstständigen. Auch bekannte Journalist*innen internationaler Blätter tragen ehrenamtlich zur Onlinezeitung bei. Die Finanzierung gelingt über die Beiträge der Genossenschaftsmitglieder, Werbeeinnahmen und Spendenabos. 2017 hat salto.bz immerhin erstmals positiv bilanziert.

Max Benedikter und Magnus Egger

Mit der wachsenden Reichweite und der kritischen Berichterstattung kommen freilich auch die Klagen. salto.bz-Gründungsmitglied und Rechtsanwalt Magnus Egger meint: „Es gibt drei Hauptgruppen von Klägern. Die ehrlich überraschten, beleidigten, empörten Menschen, die sich plötzlich als Hauptdarsteller einer Skandal-Berichterstattung wiederfinden, jene, die systematisch klagen, weil ihnen die Berichterstattung nicht passt; und dann noch jene, die aus Konkurrenzgründen klagen und versuchen, sich so den Medienmarkt freizuschießen.“ Demos20-Präsident Max Benedikter meint dazu: „In Südtirol wird schnell geklagt. In der kleinen Gruppe von Personen, die die ökonomische und politische Macht in der Hand haben, ist die Arroganz ein Wahrzeichen ihrer Handlung. Wenn sich jemand frech zu fragen traut und Kritik übt, wird geklagt. Oft werden Klagen ohne Grund eingereicht – denn Klagen sollen mundtot machen. Immer weniger sehen kritischen Journalismus als Notwendigkeit.“

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