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Alexandra Gruber
Social Media

„Satire-Bastler stehen immer mit einem Bein im Knast“

Saturday, 1. February 2014
Der Administrator der Facebookseite Blutgruppe HC Negativ arbeitet mit Satire und Kritik gegen HC Strache und die FPÖ. Seine Arbeit kommt gut an, denn die Seite hat mittlerweile mehr als 32.000 Likes. Aufgrund einer Vielzahl von Drohungen möchte er anonym bleiben. Im Interview mit dieZeitschrift spricht er über Unterstützer, Feinde und ein mittlerweile paranoides Misstrauen gegenüber virtuellen Freunden.
Gehirn
Alexandra Gruber

dieZeitschrift: Wann haben Sie die Facebook-Seite Blutgruppe HC Negativ gegründet?

Admin: Im Jahr 2009 wurde ich Fan der FB-Satire-Seite Kann dieser seelenlose Ziegelstein mehr Freunde haben als HC Strache. Ich postete ab und zu satirische Fotomontagen zum Thema Strache/FPÖ/Ziegelstein. Im August 2010 gründete ich dann zusammen mit einem anderen „Ziegelstein“-Aktivisten eine eigene Satire- und Info-Seite, eben die Blutgruppe HC Negativ.

dieZeitschrift: Gab es einen Anlass, um die Seite zu gründen?

Admin: Wir wollten auf den offen rassistischen Wien-Wahlkampf der FPÖ und deren „Wiener-Blut“-Wahlplakate reagieren.

dieZeitschrift: Was ist Ihre Intention, was wollen Sie erreichen?

Admin: Wir möchten uns auf satirisch-investigative Weise kritisch mit der FPÖ auseinandersetzen. Strache wird mit satirischen Fotomontagen auf die Schippe genommen. Diverse Postings meiner Seite haben es auch schon in die österreichische Tagespresse, in Magazine und in die ORF-Berichterstattung geschafft. Durch die stetigen Wahlerfolge der Freiheitlichen befürchte ich ihre zukünftige Regierungsbeteiligung. Die Folgen kennen wir ja schon. Das kann und will ich nicht unwidersprochen hinnehmen.

„Ich werde beschimpft und bedroht “

Gehir
Alexandra Gruber

dieZeitschrift: Wie ist es Ihnen gelungen, mehr als 32.000 Likes zu bekommen?

Admin: Dank des Medienechos auf den Wien-Wahlkampf der FPÖ stiegen die Fan-Zahlen sehr rasch an. Besonders die direkte Interaktion zwischen Fans und Gegnern machen den Reiz der Seite aus. Die extrem feindseligen Reaktionen sind natürlich die Kehrseite der Medaille.

dieZeitschrift: Wurden Sie persönlich bedroht?

Admin: Ja, ich werde beschimpft und man drohte mir bereits mit juristischen Konsequenzen und sogar Folter und Mord. Daher muss ich meine Identität schützen. Mittlerweile habe ich beim Jonglieren mit diversen Internet-Identitäten und dem geradezu paranoiden Misstrauen gegenüber virtuellen „Facebook-Freunden“ eine gewisse Routine entwickelt.

DieZeitschrift: Wie viel Zeit investieren Sie in die Facebook-Seite?

Admin: Da die Seite mittlerweile 32.000 Fans hat, besteht ein großer Teil der Arbeit daraus, hunderte Kommentare angemessen zu moderieren und die beleidigenden, gewaltverherrlichenden oder strafrechtlich relevanten Kommentare von Gegnern oder Fans schnellstmöglich zu löschen.
Der wesentlich angenehmere Teil ist die kreative Arbeit an Fotomontagen. Wobei ich meine Arbeiten eher als karikaturhafte, im Schnellschuss tagesaktuell produzierter Skizzen sehe, statt als ausgefeilte Photoshop-Kunstwerke.

„Ich musste so manchen Shitstorm einstecken “

Factbox

dieZeitschrift kann die satirischen Bilder und Zeichnungen der Facebookseite Blutgruppe HC Negativ aus juristischen Gründen nicht veröffentlichen.

dieZeitschrift: Wie fallen die negativen Reaktionen aus?

Admin: Ich musste schon heftige Kritik für so manches, subjektiv zu „niveaulose“ Werk und auch so manchen Shitstorm einstecken. Außerdem steht man als Satire-Bastler wegen des Urheber- Marken- und Persönlichkeitsrechts trotz dem Grundsatzurteil zur politischen Satire immer mit einem Bein im Knast.

dieZeitschrift: Und die positiven Seiten ihrer Aktivitäten?

Admin: Mittlerweile haben wir einen riesigen virtuellen Freundes- und Unterstützerkreis an Aktivisten, Politikern, Journalisten, Polizisten, Juristen, etc., die bei eventuellen Problemen hilfreich zur Seite stehen. Sehr verwirrend ist allerdings, dass in meinem Unterstützer-Netzwerk auch sehr viele Personen aus Sicherheitsgründen mit verschiedenen Avataren unterwegs sind. Manchmal bekomme ich für ein Motiv bis zu 2000 Likes. Ein bisschen Ruhm für meine Arbeit wäre natürlich auch nicht schlecht, ist aber aufgrund der Anonymität, die ich wahren muss, derzeit unmöglich.