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Copyright: Julia Maetzl
Selbstständigkeit

„Das ist eine Schweinerei“

Samstag, 14. Dezember 2013
Stefan Slupetzky, Der Autor der erfolgreichen Lemming-Romane will in Zukunft weniger Geld verdienen. Im Interview mit dieZeitschrift erklärt er, warum.

Sie haben vor kurzem in einem Presse-Interview gesagt, dass Sie versuchen wollen, nicht mehr so viel zu verdienen. Das klingt merkwürdig.

Ja, das ist lustig. Und ganz toll für das Bruttoinlandsprodukt. Wie es bei Schriftstellern oft so ist, macht man einmal einen guten Wurf und hat das Glück, dass das Buch verfilmt wird. (Anmerkung: ,Der Fall des Lemming' , 2009 mit Fritz Karl und Roland Düringer in den Hauptrollen). Dann kommt viel mehr auf das Konto als die Jahre zuvor. Und dann haben die Steuer und die Sozialversicherung dich aber so was von bei den Eiern. Die erste Hälfte lieferst du gleich mal ab, und die zweite musst du voraus zahlen für das nächste Jahr. Da bleibt nix über. Das ist für mich die unglaubliche Schweinerei, was Künstler betrifft. Die werden genauso behandelt wie jemand, der regelmäßig vierzehn Monatsgehälter am Konto hat. Künstler haben ganz andere Zyklen. Man schreibt vielleicht ein, zwei Jahre an einem Buch. Die Vorlaufzeit kommt auch noch dazu. (Anmerkung: Lektorat, Druck, Vertrieb, etc). Erst nachher bekommt man Tantiemen. Das heißt, dass man von dem Geld drei Jahre leben muss, du verdienst es aber in einem. Du kannst aber nichts für die nächsten Jahre zurücklegen, weil Sie dir den Höchststeuersatz aufbrummen. Eine Zeit lang habe ich mit Willi Resetarits als literarisches Beiwagerl die Radiosendung ,Trost und Rat` gemacht. Ich hatte beim ORF einen Werkvertrag und musste auch noch doppelt Krankenkasse zahlen.

„Das ist für eine Volkswirtschaft absolut irre"

Wie stellen Sie sich ein gerechteres Sozialsystem vor?

Ich glaube, dass man den Zeitraum, in dem Steuer bzw. Sozialversicherung erhoben werden, einfach der Branche anpassen sollte. Bei einem Greißler ist mehr Regelmäßigkeit drinnen als bei einem Architekten. Der kriegt einen großen Auftrag und hat dann fünf Jahre zu tun. Es ist nicht in Ordnung, dass der eine genauso wie der andere behandelt wird.

Viele Selbstständige sagen, dass die Sozialversicherung viel gnadenloser ist als die Finanz. Mit dem Finanzamt könne man zumindest reden und seine Schulden in Raten abzahlen.

Die großen Kosten der Sozialversicherung kommen ja erst drei Jahre später zum tragen. Dann kommt es aber ganz dick. Oft lebt man in diesen drei Jahren von Einnahmen, die man in diesen Jahren hatte, weil man an einem bestimmten Projekt arbeitete. Dann kann man die Sozialversicherung nicht zahlen und ist ruiniert. Seit dieser Zeit, als der Lemming-Film raus kam, versuche ich, nicht zu viel Geld zu verdienen. Das ist für eine Volkswirtschaft absolut irre. Viele Leute werden so denken, weil sie dazu gezwungen werden. Wohin soll das führen?

„Kaum ein Schriftsteller kann von Tantiemen leben"

Factbox

Stefan Slupetzky lebt in als freischaffender Schriftsteller und Musiker in Wien. Einem größeren Publikum ist er seit seinem erfolgreichem Krimi „Der Fall des Lemming“ bekannt. Drei weitere Lemming-Romane folgten.

Sein neuestes Buch „Polivka hat einen Traum“ ist im September beim Kindler-Verlag erschienen. Hardcover, € 19,95

Wie viele Bücher haben Sie bis heute ungefähr verkauft?

Von den vier Lemming-Romanen werden es ungefähr 120.000 gewesen sein.

Wie viele Bücher muss ein Autor verkaufen, um davon leben zu können?

Wahrscheinlich das dreifache davon.

Das heißt, Sie können von Ihren Büchern nicht leben?

Nein. Kaum ein Schriftsteller kann von den Tantiemen leben. Ich würde sagen, zwei Drittel des Einkommens machen Lesungen aus. Bei mir kommen noch ein paar andere Sachen dazu, zum Beispiel Theater und Musik. (Anmerkung: Stefan Slupeztky ist Sänger von ,Trio Lepschi). Die Musik ist nur ein schönes Zubrot.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie von Ihrer selbstständigen Tätigkeit leben konnten?

Ungefähr zehn Jahre.

Wie sah Ihr Berufsleben vorher aus? Hatten Sie einen Full-Time-Job als Angestellter und haben nebenbei geschrieben?

Nein. Ich habe eine Erbschaft gemacht, die ich lieber nicht gemacht hätte. Mein Vater ist gestorben. Dieses Geld habe ich verwendet, um zu schauen, ob ich vom schreiben leben kann.