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Rapid-Viertelstunde

Bitte um eine Viertelstunde Ihrer Aufmerksamkeit: Am 8. Jänner 2019 feiert Rapid seinen 120. Geburtstag… nein, ich beginne anders: Am 8. Jänner 2019 feiert Rapid seinen 120. Geburtstag nicht, weil Rapid diesen schon am 22. Juli 2017 gefeiert hat.

1897 wurde der Verein nämlich als „1. Wiener Arbeiter Fußballklub“ gegründet. Ab 1999 hieß er dann „Rapid“. Ursprünglich spielte Rapid in Blau und Rot. Grün und Weiß wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den Klubfarben. Irgendwann in dieser grau-grünen Fußball-Steinzeit begann irgendein Zuschauer 15 Minuten vor dem Schlusspfiff zu klatschen. Vielleicht hatte er ja nur kalte Finger. Auf jeden Fall wurde eine Legende daraus.

Was passierte am 22. Juni 1941? Deutsche Truppen überfielen die Sowjetunion. Stimmt. Doch am selben Tag gewann Rapid das Finale um die deutsche Meisterschaft vor 100.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion. Schalke 04 führte nach einer Stunde 3:0. Rapid stellte das Spiel auf den Kopf und siegte mit 4:3; unter anderem durch drei Tore von Franz „Bimbo“ Binder. Ausgerechnet an diesem schwarzen Tag der europäischen Geschichte wurde Grün-Weiß zu einer legendären Farbkombination. Rapid ist bis heute der einzige deutsche Meister, der nicht auf dem Gebiet der aktuellen Bundesrepublik Deutschland zu Hause ist.

Das historische Ereignis selbst wirft keinen braunen Schatten auf die Grün-Weißen. Nein, dafür sorgten im Laufe der Jahrzehnte einige wenige so genannte Fangruppen, denen Distanz und Bildung in gleichem Maße fehlten. Der ehemalige Arbeiter-Klub reagierte immer wieder zögerlich und amateurhaft auf entsprechende Gewaltausbrüche, obwohl viele g’standene Rote im Vorstand saßen und sitzen. Rapid-Anhänger aus der Rechtskurve des Stadions, aber auch politisch nicht zuzuordnende Hooligans, haben dem Verein nachhaltig geschadet; die Legende vermochten sie jedoch nicht auszulöschen.

Das Image: Kampfgeist bis zur letzten Minute. Immer wieder schafft es der Klub, verloren geglaubte Spiele in Siege umzuwandeln. Der Sage nach ereignen sich derartige Umschwünge stets in den letzten 15 Minuten eines Spiels, weshalb die letzte Viertelstunde stets von den Zuschauern eingeklatscht wird. Übrigens nicht erst seit 1941 wie viele fälschlich meinen, sondern angeblich bereits seit 1919. Also noch ein Grund zu feiern! Die Rapid-Viertelstunde soll irgendwann in diesen Tagen ihren 100. Geburtstag feiern. Oder ist sie doch schon viel älter? Es mangelte stets an Zeitzeugen, die man befragen hätte können, jedoch nicht an Zeitungsartikeln, in denen das Phänomen bereits seit 1908 immer wieder in Nebensätzen auftaucht.

Am 29. November 2018 ließ die aktuelle Mannschaft diese schöne Tradition jedenfalls wieder einmal so richtig aufleben: Spartak Moskau führte bis zur 80. Minute 1:0, Rapid gewann bei minus 12 Grad in Moskau mit 2:1 und wahrte so die Chance auf den Aufstieg ins Sechzehntelfinale der Europa League. Und das, obwohl die Mannschaft stark ersatzgeschwächt antreten musste, in der österreichischen Meisterschaft tief in der Krise steckt, nur auf Platz 8 (von 12) in der Tabelle liegt und wohl ein bärenstarkes Rapid-Vierteljahr braucht, um noch den Sprung ins obere Play Off zu schaffen.

Es ist auch zu hoffen, dass kein Rapid-Vierteljahrhundert vergehen wird, bevor der Klub in den Frauenfußball einsteigt. Den Plan gibt es schon längst. Selbst Langzeit-Rivale Austria Wien ist in Kooperation mit dem traditionsreichen Frauen-Fußballklub USC Landhaus bereits mit der Zeit gegangen: Immerhin haben die österreichischen Fußball-Frauen bei der Europameisterschaft 2017 das Semifinale erreicht. Ein Erfolg, der keinem Männer-Team dieses Landes seit 1954 vergönnt war.

Nun, die Frauenversteher gehören beim SK Rapid derzeit wohl noch zu einer Minderheit. Die Wortwahl des soeben abgetretenen Präsidenten Michael Krammer bestätigt dies: Er wolle „keine halbseidene Lösung“ sagte er. Nun, diese Formulierung klingt ein wenig nach „Zurück zum Start“, in der Sache ist sie aber seriös: Immerhin gibt es ein Projekt im Hinterkopf, doch vor Herbst 2021 wird keine Entscheidung fallen. Dann erst wird das Trainingszentrum fertig sein. Wacker Innsbruck, Sturm Graz, St. Pölten und Vienna haben den Sprung bereits geschafft. Rapid hat sich also ein Vierteljahrzehnt Zeit genommen, um die entsprechenden Bedingungen und eine professionelle Einstellung für eine Frauenabteilung zu schaffen. Denn eine solche macht nur dann Sinn, wenn auch genügend Männer am Spielfeldrand sitzen, um die Rapid-Viertelstunde würdig einzuklatschen.