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Von Badkickern, Hampelmännern und Fliegenfängern

Einmal innerhalb von vier Jahren schauen sich auch jene Menschen Fußballspiele an, die während der übrigen 47 Monate dieser Zeitspanne davon ausgehen, dass der Ball mittels eines darin gefangenen Frosches über die Wiese hüpft. Das ist überhaupt nichts Böses. Sie haben halt andere Interessen.

Unsympathisch werden mir einige dieser Menschen erst, wenn sie jeden Satz zum Thema Fußball mit „Ich interessiere mich ja überhaupt nicht für Fußball, aber…“ beginnen. Denn genau auf dieses „aber“ folgt meist eine Weisheit, die ein sehr bezeichnendes Merkmal aufweist: Sie ist hohl, abgestanden, falsch verwendet, verstaubt, verrostet, dümmlich bis vollkommen vertrottelt, nichtssagend, einer falschen Person zugeordnet und gefühlt 92 Milliarden Mal verwendet worden.

Oooops, das war jetzt nicht nur ein Merkmal, sondern gleich mehrere. I am so sorry!

Die Gelegenheitsfußballexperten sind jedoch meistens unschuldig. Der Kern des Problems schlummert in der Sprache der Reporter. Nein, keine Angst: Ich schimpfe nicht über Kollegen. Alle TV-Kommentatoren haben jedoch eines gemeinsam: Sie überfordern die Gelegenheitsfußballexpertin und den Gelegenheitsfußballexperten in gleichem Maße.

Aus diesem Grund folgt an dieser Stelle ein Basiskurs in Sachen „mysteriöse Reporterphrasen“. Viele Wortschöpfungen der Kommentatoren sind übrigens der Managersprache entnommen. Doch was bedeuten sie auf gut Wienerisch?

„Bei der Ballannahme gibt es noch Luft nach oben.“ = Der holzg’schnitzte Kaschperl kann nicht einmal die Kugel stoppen!

„Die Chancenauswertung ist noch nicht optimal.“ = Die treffen nicht einmal a komplette O-Wagen-Garnitur in der Haltestelle.

„Er ist ein Spieler, der sein Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft hat.“ = A Badkicker, der nur am Gänsehäufl beim Gaberln auffallen tät‘.“

„Ein brillanter Techniker, doch er fällt leicht.“ = Der Zauberer spielt sogar den sterbenden Schwan, wenn er über ein Gänseblümchen stolpert.

„Dieser Ball war für den Tormann nicht ganz unerreichbar.“ = Der Fliegenfänger ist umgfalln wie a Bahnschranken.“

„Ein Elfmeter, den nicht jeder Schiedsrichter pfeifen würde.“ = Bitte, wie viele Dioptrien hat der Hampelmann!

„Sie versuchen vergeblich, die Räume eng zu machen.“ = Sie werden komplett schwindlig gespielt.

„Bemerkenswert ist die Effizienz der Stürmer.“ = Die spielen neunzig Minuten Schaaaaas und gewinnen 2:0.

All diese Sätze sind bei der derzeit laufenden Weltmeisterschaft in Russland bereits gefallen. Es ist nicht wirklich schwierig, sie richtig zu deuten. Kompliziert wird das Spiel aber, wenn Kommentatoren mit so genannten Weisheiten daherkommen: „Tore, die man nicht schießt, bekommt man“ von einem ehemaligen Profifußballer, der jetzt als TV-Analytiker arbeitet, ist Zeitdiebstahl – nicht mehr und nicht weniger. Ebenso wie der Stehsatz „K.o.-Spiele haben eigene Gesetze.“ Obwohl diese Aussage prinzipiell unumstritten ist. Denn ab dem Achtelfinale scheidet der Verlierer einer Partie eben aus. Basta. Darum sagt man ja K.o.-Spiel.

Gelegentlich kommt es auch vor, dass Zitate völlig falsch verwendet werden. Dies ist für den Gelegenheitsfußballexperten besonders dann gefährlich, wenn er am nächsten Tag vor den Kollegen im Büro ausgerechnet mit einem dieser Zitate brillieren möchte.

Ein Beispiel: „Geld schießt keine Tore.“ Mit Sicherheit wurde dieses Zitat nach dem 1:0-Sieg der Mexikaner gegen Deutschland hunderttausend Mal verwendet. Doch woher stammt es?

Der gefeierte deutsche Trainer Otto Rehhagel führte die sportlich wie finanziell maroden Griechen 2004 sensationell zum Europameistertitel. Unter dem Namen „Rehakles“ bekam er daraufhin seinen Platz auf dem Olymp. Das Zitat „Geld schießt keine Tore“ stammt nachweislich von ihm. Der Spruch wird andauernd dazu missbraucht, dem Fußball etwas Magisches, etwas Unberechenbares und Abenteuerliches abzugewinnen: Immer wenn ein steinreicher Großklub gegen irgendeinen Mittelständler ausnahmsweise den Kürzeren zieht, kommt von gefühlten 98,765.432 Klugscheißern unweigerlich der Sager: „Tja, Geld schießt halt keine Tore!“ Sie alle wollen damit sagen: Man kann noch so viel Geld investieren, aber Talent, Genialität, Intuition und Individualität kann man eben nicht kaufen.

Ein kompletter Blödsinn. Bullshit in Reinkultur. Und zwar schon im Ursprung: Rehhagel war Bayern-München-Trainer als er dieses Zitat um die Welt schickte. Er kritisierte auf diese Weise, dass zu viel Geld auf dem Konto des Vereins schlummerte. Er verlangte also, dass mehr Geld in neue Spieler investiert werden solle. Also meinte er exakt das Gegenteil von dem, was jetzt in diesen Spruch hineininterpretiert wird. Nämlich: „Würde mehr Geld investiert werden, würden wir mehr Tore schießen.“ Anders ausgedrückt: Gut angelegtes Geld schießt sehr wohl Tore. Talent, Genialität, Intuition und Individualität sind also käufliche Güter im Fußball. Wenn das Geld hingegen brach liegt, schießt es keine Tore.

Ein kleiner Tipp an euch, liebe Gelegenheitsfußballexpertinnen und Gelegenheitsfußballexperten: Wenn ihr Reporter-Phrasen nachbetet, werdet ihr in der Sekunde als das entlarvt, was ihr seid. Nämlich als Menschen, die sich nur einmal innerhalb von vier Jahren Fußballspiele anschauen.