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Alexandra Gruber
Museum

Warum der Takt vom Feingefühl Konkurrenz bekam

Wednesday, 12. February 2014
Zu welchem Zweck jemand Sprachen konstruiert, warum Wörter wie „Keks“ und „Erdgeschoss“ zum fixen Bestandteil des Deutschen wurden oder wie sich Klingonisch anhört, erfährt man im Esperantomuseum in Wien.
Esperantomuseum
Esperantomuseum

Nach sechs Monaten kann man das Matura-Niveau erreichen,“ sagt Historiker Bernhard Tuider. Der Bibliothekar macht Führungen durch das Esperantomuseum, das aus zwei kleinen Räumen besteht und gemeinsam mit der Sammlung für Plansprachen ein Teil der Nationalbibliothek ist.

Die Plansprache Esperanto wurde von dem polnischen Augenarzt Ludwig Lejzer Zamenhof initiiert, um einen Beitrag gegen Krieg und Gewalt zu leisten. Er wollte eine einheitliche und leicht erlernbare Zweitsprache schaffen, um zur Verständigung der Völker beizutragen. 1887 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Doktoro Esperanto das erste Lehrbuch in vier Sprachen.

Tuider zeigt auf das dünne, alte Büchlein in einer Vitrine. „Auf der Grundlage dieses Buches sind in den 1890er Jahren auch in anderen Sprachen Esperanto-Lehrbücher entstanden, die eine kontinuierliche Literaturproduktion gefördert haben. Esperanto hat sich auch deshalb relativ rasch verbreitet.“ Die Lautstruktur sei relativ klar würden ähnlich wie im Italienischen enden viele Wörter mit einem Vokal. „Die Grammatik hat relativ wenige Regeln, die meist sehr einprägsam sind.“

In Österreich gab es bekannte Befürworter, zum Beispiel die beiden Friedensnobelpreisträger Bertha von Suttner und Alfred Hermann Fried. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden bereits die ersten Esperanto-Weltkongresse abgehalten. In der Zwischenkriegszeit versuchten verschiedene politische Strömungen, Esperanto in Österreich zu etablieren. „Ab 1926 wurde die Plansprache als Freifach an österreichischen Schulen angeboten, und es gab Kurse bei der Polizei, der Post und der Bahn,“ sagt Tuider. Auch der Sozialdemokrat und spätere Bundespräsident Franz Jonas sprach Esperanto.

Für Hitler war Esperanto eine „Judensprache“.

Factbox

Esperantomuseum
Herrengasse 9
1010 Wien

Eine Gruppe von Esperanto-Sprecher trifft sich im Kafejo Esperanto in Lhotzkys Literaturbuffet, 1020 Wien, um sich gegenseitig beim Esperanto-Lernen zu unterstützen.
KONTAKT: kurt.lhotzky@gmail.com

Doch wie über so viele fortschrittliche Errungenschaften der Zwischenkriegszeit trampelten die Nazis 1938 auch über dieses zarte Pflänzchen der Völkerverständigung hinweg. Für Hitler war Esperanto eine „Judensprache“. Die Vereine mussten sich auflösen, die Sprecher wurden überwacht und einige sogar im KZ ermordet.

Wie verbreitet Esperanto heute noch ist, kann auch Tuider nicht wirklich beantworten. „Die Schätzungen liegen zwischen 200.000 und zwei Millionen. In Österreich sind es auf jeden Fall relativ wenige Personen.“ Es gebe aber regelmäßig Sprachkurse in Innsbruck und in Wien. „Durch verschiedene Lernplattformen im Internet hat die Zahl der Sprecher aber in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren wieder leicht zugenommen.“

Das Museum in der Innenstadt stellt neben Esperanto auch noch andere Plansprachen vor, die man sich mit kurzen Textbeispielen über Kopfhörer anhören kann.
Zum Beispiel Ido, das 1907 veröffentlicht wurde und sich vor allem in Frankreich rasch verbreitet hat.

Fast modern ist dagegen Klingonisch, bekannt aus der Serie Star Trek. Es wurde 1984 von dem US-Sprachwissenschaftler Marc Okrand für die Science-Fiction-Filme geschaffen. Fans der Serie lernen und nutzen die Sprache untereinander. Tuider selbst hat vor drei Jahren einen halbstündigen Klingonisch-Crash-Kurs absolviert. „Der Wortschatz ist nicht so umfangreich wie bei Esperanto. Viele Laute werden im Rachen gebildet.“ Aber auch natürlich gewachsene Sprachen werden ständig mit Plansprachen-Elementen ergänzt. So hat zum Beispiel die Firma Bahlsen 1889 Keks vom dem englischen Mehrzahl-Wort cakes entlehnt und ein Einzahl-Wort daraus gemacht.

Der deutsche Autor Joachim Heinrich Campe entwickelte bereits Ende des 18. Jahrhunderts für zahlreiche Fremdwörter Verdeutschungen. Manche wurden in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen, wie zum Beispiel Feingefühl für Takt oder Erdgeschoss für Parterre. Sein Wort Schweißloch statt Pore war verständlicherweise weniger erfolgreich. Dass Campe Gesichtserker für Nase vorgeschlagen haben soll, ist aber nur ein bösartiges Gerücht.