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Marliese Mendel
Ostbahn Kurti

Von Latexhosen, Kampelzuträgern und dem langen Abschied von Günter Brödl

Samstag, 11. Januar 2014
[Ronald Putzker](http://www.putzker.com/) zeichnet Comics, Storyboards und ist Grafiker. Gemeinsam mit Günter Brödl hat er die Comicreihe Anna Stein gemacht, er hat für die Ostbahn-Kurti-Krimis die Buchdeckel gezeichnet, den Fortsetzungsroman „Das Geheimnis der toten Tänzerin“ im Magazin Wiener illustriert, die Covers der Ostbahn-Kurti-Scheiben designt und das Storyboard für den Film Blutrausch entworfen. dieZeitschrift hat ihn getroffen und erfahren, warum Putzker der Glücksbringer von Ostbahn-Kurti war, warum sich die Filmcrew von ihm Peitschen und Latexhosen ausborgte und wonach er mit Brödl in der Lobau jagte. [Teil des Stadtspaziergangs mit Kurtologen](http://www.diezeitschrift.at/content/auf-den-spuren-von-guenter-broedl-und-ostbahn-kurti)
Günter Brödl, Ostbahn-Kurti, Stadtspaziergang, Ronald Putzker
Ronald Putzker
Comic Anna Stein

dieZeitschrift: Wie haben Sie Günter Brödl kennengelernt?

RP: Ich habe ihn durch Zufall kennen gelernt. Günter hat für das Magazin „Wiener“ als Musikjournalist gearbeitet. Er gebar die Idee, einen Comic zu machen. Er hat eine heftige und wahre Geschichte im österreichischen Politdschungel recherchiert. Die Redaktion wollte aber keinen scharfen Artikel haben, sondern einen Comic daraus machen.

Ursprünglich wollte Günter jemand anderen engagieren. Aber die Chemie stimmte zwischen den beiden nicht, so schlug mein Agent mich vor. Ich traf Günter und wir haben uns sofort verstanden.

Gemeinsam haben wir der Comicfigur der Journalistin Anna Stein Leben eingehaucht. Sie war an einem heißen Politfall dran: Ein Bestechungsskandal rund um den Umbau der Ruine des Kernkraftwerks Zwentendorf in einen Freizeitpark.

Wir hatten die ersten Seiten beisammen, dann wurde beim Wiener wieder einmal die Chefredaktion ausgetauscht und die neuen Chefs wollten keinen Comic mehr machen.

Wir waren aber mit unseren Recherchen und der Geschichte fast fertig. Ich hatte einen Verleger in Deutschland und der nahm den Comic. Der realistische Comic mit sehr vielen erotischen Komponenten hat sich saumäßig gut verkauft und wurde in vier Sprachen übersetzt. Das hat dem Günter wahnsinnig getaugt, weil er aus der Regionalität hinausgekommen ist. Das wollte er immer schon. Parallel dazu ist die Geschichte mit dem Ostbahn gewesen, der hat gerade die Platte „A Schene Leich“ herausgebracht und ist populärer geworden.

Liagn & Lochn

Günter Brödl, Ostbahn-Kurti, Stadtspaziergang, Ronald Putzker
Ronald Putzker
Die Jugend von Ostbahn-Kurti

dieZeitschrift: Wie sind Sie zum Ostbahn-Kurti gekommen?

RP: Ostbahn Kurti und die Chefpartie bastelten gerade an einer neuen Platte, da hat der Günter gemeint, 'hearst, da könnt ma was machen'. Ich machte das Cover von Liagn & Lochn. Davor haben sie um die 4000 Platten verkauft, und mit der Liagn & Lochn waren es auf Anhieb 30.000. So wurde ich zum Glücksbringer für die Ostbahnpartie. Bis auf eine Platte in der Ära Günter Brödl habe ich alle Coverdesigns gemacht und all die Platten waren erfolgreich.

Blutrausch

Günter Brödl, Ostbahn-Kurti, Stadtspaziergang, Ronald Putzker
Ronald Putzker
Günter Brödl

dieZeitschrift: Sie waren 1997 auch am Film Blutrausch beteiligt?

RP: Ich habe das Storyboard, alle Schriften und Zeichnungen für Blutrausch gemacht und selbst im Film mitgespielt. Ich war der Kampelzuträger. In einer Szene gebe ich dem Kommissar ein Beweisstück: einen Kampel.

Außerdem war ein Teil der Ausstattung aus meinem Fetischfundus. Sie borgten sich die Ausstattung für die perversen Szenen aus: Latexklamotten und Peitschen.

Rehpublik

Günter Brödl, Ostbahn-Kurti, Stadtspaziergang, Ronald Putzker
Ronald Putzker

dieZeitschrift: Sie haben auch im Jahr 2000 mit Brödl einen Reiseführer für Österreich geschrieben?

RP: Die Rehpublik (sic!) Österreich ist ein Reiseführer im Polyglott-Style, der 2000 bei Eichborn erschienen ist. Alle Protagonisten waren Rehlein. Es war ein Satireprojekt: Wir hatten im Auftrag des Amtes für überrehgionale Angelegenheiten die Rehpublik bereist und von Gourmreh-Tempeln über Rehvolutionen bis hin zu W.A. Rehzart alles beschrieben.

dieZeitschrift: Hatten sie noch weitere Pläne?

RP: Wir wollten mit der Rehpublik als Kabarett mit Diavortrag auf Vortragsreise gehen, die Bilder aus der Rehpublik zeigen und von unseren Erlebnissen erzählen. Wir hatten schon geprobt.

RP: Wir machten Promotionbilder für die Rehpublik. Wir hatten uns als Jäger verkleidet, waren in der Lobau auf Hirschjagd und haben mit Feldstechern Tiere beobachtet. Es war unser letzter gemeinsamer Tag.

Der lange Abschied am Strand

Günter Brödl, Ostbahn-Kurti, Stadtspaziergang, Ronald Putzker
Ronald Putzker

Am nächsten Tag wären die Studioaufnahmen für die Platte OHJO gewesen und ich hätte mit ihm ins Studio fahren sollen. In der Nacht rief seine Frau an und sagte, der Günter ist tot. Ich hab das überhaupt nicht gepackt. Er war schlank, er ist spazieren gegangen, das hat zuvor er nie getan, er war ja eher unsportlich.

Ich konnte die OHJO anfangs nicht anhören. Dann flog ich für zwei Wochen nach Fuerteventura und nahm die CD mit. Am Strand habe ich vom Günter Abschied genommen. Ich hab aufs Meer hinausgeschaut und ihn weggeschickt. In den zwei Wochen habe ich die CD sicher 50 Mal gehört. Ich dachte mir: „Du hast es eh gut da oben, die Musik passt gut dazu. Das Leben ist ein Traum.“

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