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Der Bauernaufstand

Zahlenspiele. Die selbsternannte Sportstadt macht sich wieder einmal lächerlich. Die ländliche Fußball-Revolution ist kein Strohfeuer, sondern hat System.

Der schwache Trost: Berlin ist knapp doppelt so groß wie Wien, ist die Hauptstadt des vierfachen Weltmeister-Landes Deutschland und beherbergt auch keinen g’scheiten Fußball-Klub. Alle Hertha-BSC-Fans mögen mir verzeihen. Es ist aber leider so.

Das war’s dann aber auch. Das Wiener Fußballleben ist traurig, trist, morbid. Und seit Anfang August 2014 modert es so richtig: Fünf Runden waren gespielt. Austria sieglos Vorletzter, Rapid mit nur einem vollen Erfolg Siebenter. Schon ist auf Wiener Tribünen das Wort „Bauernaufstand“ zu vernehmen. Klingt abfällig, ist aber doch ein bisserl zutreffend.

Der noch unausgesprochene Gedanke, dass Rapids neues Stadion in Hütteldorf die Heimat eines Zweitligisten sein könnte, treibt jetzt schon einigen Großstädtern die Schweißperlen auf die großkopferte Stirn. Rapid-Legende Peter Pacult hat neulich auch noch Öl ins Feuer gegossen: „Alles, was ich aufgebaut habe, wurde zerstört.“ Ein bisserl realitätsfern, aber ausreichend, um die Nervosität zu erhöhen.

Ortswechsel: Derzeit sorgt ein Ex-Rapidler dafür, dass das absolute Schlagerspiel der Bundesliga zwischen dem Wolfsberger AC und Red Bull Salzburg ins Klagenfurter EM-Stadion verlegt wird (14. September um 16.30 Uhr). Der südburgenländische Preiskicker Didi Kühbauer, einst jähzornige Mischung aus wahnsinnigem Genie und genialem Wahnsinn, ist zu einer Art Asterix der Bundesliga geworden. Nach fünf Runden war nur Red Bull Salzburg – vergleichbar mit der römischen Besatzungsmacht Galliens – ohne Punkteverlust. Und eben Wolfsberg unter Trainer Kühbauer!

Dabei ist Wolfsberg kein kleines gallisches Dorf, sondern fast schon eine Metropole im Vergleich zu jenen Siedlungen, die nach fünf Runden weit vor Rapid und Austria logierten: Grödig 6992 Einwohner, Altach 6346, Ried im Innkreis 11.444. Und als Tabellenführer der zweiten Liga darf sich der Salzburger Stadtteil Liefering (14.500) auch bereits Hoffnungen machen, irgendwann in diesem Orchester mitspielen zu dürfen.

In Wolfsberg, Altach und Grödig wohnen insgesamt 38.300 Menschen.
In Penzing (dazu gehört Hütteldorf, die Heimat Rapids) 87.500.
In Favoriten (dort spielt die Austria) 186.500.
In Wien 1,777 Millionen.
Im Ballungsraum Wien 2,636 Millionen.

Überspitzt formuliert steht Wolfsberg zu Wien also 1:100.
Geld schießt keine Tore, heißt es im bis zum Erbrechen ausgereizten Fußball-Jargon. Einwohner schießen offenbar auch keine.

Das unüberschaubare Feld des Sports pflügt und pflegt Jürgen Preusser, seit er 19 Jahre ist. Hauptsächlich und lange Zeit hauptberuflich journalistisch. Von zehn Olympischen Spielen durfte er vor Ort berichten. Segeln, Spielen und Schreiben – das ist und bleibt seine S-Klasse. Wien sieht ihn nur noch in Ausnahmefällen, der Wienerwald hingegen dauernd.