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Teamchefs zum Saufüttern

Die Fußball-WM 2014 ist Geschichte. Die gewaltige österreichische Expertenschar wird vom Alltag überrollt. Und der Alltag von ihr.

Eine Million Teamchefs, aber unverständlicherweise bekommt keiner von ihnen den Auftrag, Österreichs Nationalmannschaft zu einem Großereignis zu führen. Der Fußballbund baut seit einiger Zeit auf den Schweizer Marcel Koller, der aber zuletzt in der Qualifikation gescheitert ist (Anmerkung der Redaktion: Am späteren Weltmeister Deutschland).

Vier dieser verkannten Teamchefs erfanden neulich in der Schnellbahn zwischen Mödling und Meidling das Fußballland ganz neu:

„Is ja ka Wunder, dass die Salzburger gegen Aserdingsda oder irgendwelche anderen Restrussen verliern! De Monnschoft hot ka Seele! De san wia die Fremdenlegion.“ Sagt ein Goldketterlträger, der sich mangels Teamchef-Engagements auf dem Weg ins Stadionbad befinden dürfte.

„Geld schießt halt keine Tore.“ Wendet ein anderer Teamchef ein, der aussieht wie Andi Ogris nach dem Schleudergang in der Waschmaschine. Er ist offenbar für die Plattitüden zuständig.

„Bledsinn!“ widerspricht jener Teamchef, den die anderen drei „den Bladen“ nennen. „Unser Hundskick in der Bundesliga hat ja nix mit der WM zu tun.“ Nachsatz: „I schau‘ ma den Schmarrn scho seit Jahre nimma an.“ Die Frage, woher der Blade dann sein unglaubliches Wissen beziehe, stellt keiner.

„De rennan olle z’wenig“, wirft Teamchef Nummer 4 ein, dessen Lebenslaufleistung die Tausend-Meter-Schallmauer wohl noch nicht ganz erreicht hat.

„Ja, ja. Talent kann man halt nicht kaufen“, sagt der Schleudergang-Ogris.

„Bledsinn!“ widerspricht der Blade erneut. „De haben ka Disziplin und keine Härte!“ Durch die erste hochdeutsche Passage „…keine Härte!“ werde ich an den Ambros-Klassiker „Zwickt’s mi“ erinnert. „Die Ausbildung is schlecht, die Trainer san schlecht, die Funktionäre san sowieso a Wohnsinn!“

„Und im Park kicken nur mehr de Tschuschn!“ fügt der Goldketterl-Teamchef hinzu, hält sich beim Wort „Tschuschn“ aber wenigstens g’schamig die Hand vor. Man weiß ja nie…

„Bledsinn!“ widerspricht der Blade konsequent. „De Tirkn, de Serbn und die andern Jugos warn jo a net bei da WM!“ Dass Kroatien und Bosnien sehr wohl mitgespielt haben, ist ihm entgangen, obwohl: „I hob ma jede Partie ang’schaut aus Brasilien! A in da Nocht! Des is a ondare Spurtart ois des, wos ma in Österreich siacht!“ Abgesehen davon, dass er in Österreich eben nichts sieht, weil er nicht hingeht.

„Ja, ja. Wir haben halt a andere Mentalität“, sagt der Schleudergang-Ogris.

„Bledsinn“, sagt der Blade. Und der Lautsprecher sagt: „Bahnhof Meidling.“ Der Blade widerspricht diesmal nicht.

„I muaß rennan“, sagt Teamchef Nummer 4. Vielleicht schafft er die tausend Meter ja doch noch.

Ich hab viel gelernt in diesen paar Minuten. Unter anderem, dass mir der österreichische Fußball weit sympathischer ist als etwa 999.999 seiner Teamchefs.

Das unüberschaubare Feld des Sports pflügt und pflegt Jürgen Preusser, seit er 19 Jahre ist. Hauptsächlich und lange Zeit hauptberuflich journalistisch. Von zehn Olympischen Spielen durfte er vor Ort berichten. Segeln, Spielen und Schreiben – das ist und bleibt seine S-Klasse. Wien sieht ihn nur noch in Ausnahmefällen, der Wienerwald hingegen dauernd.