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Sportwelt von Jürgen Preusser

Ganz bestimmt sehen das nicht alle so: Das 322. Wiener Fußball-Derby zwischen Rapid und Austria am Sonntag, 6. August 2017, war nicht einmal im Ansatz das wichtigste Sportereignis des Landes in dieser außergewöhnlichen österreichischen Sportwoche.

Zum einen wurden bei der Beachvolleyball-WM auf der Donauinsel 180.000 Besucher gezählt. Beim Finale, in das sensationell die beiden Österreicher Clemens Doppler und Alexander Horst vorgedrungen waren, lagen die ORF-Einschaltziffern ebenso wie beim Fußball-Derby bei rund 400.000. Die echte Sensation hatte sich jedoch schon am Donnerstag beim Semifinale der Fußball-Europameisterschaft der Frauen ereignet: 770.000 TV-Zuschauer zu Beginn – 1,2 Millionen beim Elferschießen. Die Österreicherinnen waren als krasse Außenseiter zur EM in die Niederlande geflogen. Und sie kehrten als eine von zwei EM-Dritten ohne eine einzige Niederlage in der regulären Spielzeit und nach nur einem erhaltenen Tor zurück.

Wird Österreich womöglich doch noch eine Sommersport-Nation? Machen wir uns keine allzu großen Hoffnungen. Es spricht nach wie vor viel zu viel dagegen.

ORF Sport+ versucht sich als Spartensender zu etablieren, doch die Einschaltziffern bei der ambitioniert mit zwei Kommentatoren übertragenen Leichtathletik-WM in London sind gering. Trotz bemerkenswerter österreichischer Leistungen übrigens. Was zählt schon ein 9. Platz im Diskuswerfen, ein 6. Platz im Siebenkampf und ein 23. Platz mit Landesrekord im Marathon? Absolut nichts in einem Land, in dem das öffentliche Sportverständnis aus ein paar merkwürdigen Leitsätzen besteht:

Medaille super.
Keine Medaille nicht super.
Skifahren immer super.
Formel 1 auch super.
Tennis nur super, wenn Österreicher super.
Eishockey a bissl super.
Andere Sportarten nicht super, auch wenn Österreicher super.
Frauen-Fußball super-lieb (neuerdings).
Richtiger Fußball ur-super, obwohl Österreich nie super.

Uijegerl, jetzt hör‘ ich sie schon, die Proteste: Was soll das heißen „Österreich nie super“ im Fußball?Jo, eh! Vier Mal in einem Europacupfinale, einmal WM-Dritter (1954). Das ist nicht besonders viel. Es gibt gar nicht so viele andere europäische Nationen, die noch nie etwas gewonnen haben. Aber da ist ja auch noch Cordoba! Ohhh ja! Natürlich dieses immerwährende Wunder von Cordoba, das jegliche systematische Weiterentwicklung im Fußball durch völlig überzogene und viel zu lang anhaltende Euphorie Jahrzehnte lang blockiert hat. Wurden wir damals 1978 in Argentinien nicht sogar Weltmeister? Nein, eigentlich nicht. Bei dem 3:2-Sieg gegen Deutschland ist es nämlich um gar nicht mehr allzu viel gegangen.

Und worüber wird in Österreich nach der Silbermedaille von Doppler und Horst bei der Beachvolleyball-Heim-WM, nach dem Sensationserfolg der Fußball-Frauen, nach einer Tennis-Überraschung durch Sebastian Ofner, nach ein paar Segel- und Schützen-Medaillen, nach den starken Leichtathletik-Leistungen von Lukas Weißhaidinger (Diskus), Ivona Dadic (Siebenkampf) und Valentin Pfeil (Marathon) am meisten diskutiert? Über ein paar Volltrottel, die beim Derby Feuerzeuge und Plastikflaschen aufs Spielfeld geworfen haben. Bestenfalls auch noch darüber, warum Vereine wie Rapid dieses G’sindl nicht und nicht in den Griff bekommen.

Übrigens: Von den 180.000 friedlichen und begeisterten Zuschauern beim Beachvolleyball wurden insgesamt vier angezeigt. Und die nur, weil sie zur falschen Zeit an der falschen Stelle gepinkelt hatten. Von den rund 500.000 Ehrenamtlichen, die auch in dieser denkwürdigen Woche in allen möglichen Rollen sportlich unterwegs waren, hat sich wahrscheinlich überhaupt keiner etwas zu Schulden kommen lassen. Würden all diese guten Geister auch nur annähernd so viel öffentliche Aufmerksamkeit erfahren wie ein paar bescheuerte Feuerzeugwerfer, dann gäbe es tatsächlich einen Hoffnungsschimmer für das Sportland Österreich.

Das unüberschaubare Feld des Sports pflügt und pflegt Jürgen Preusser, seit er 19 Jahre ist. Hauptsächlich und lange Zeit hauptberuflich journalistisch. Von zehn Olympischen Spielen durfte er vor Ort berichten. Segeln, Spielen und Schreiben – das ist und bleibt seine S-Klasse. Wien sieht ihn nur noch in Ausnahmefällen, der Wienerwald hingegen dauernd.