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Wir sind Uli - von Jürgen Preusser

Uli Hoeneß kommt raus. „Er ist geheilt“, jubelt ein Bayern-Fan aus Wien am Wirtshaustisch. Um einen Irrtum auszuschließen: Uli Hoeneß, 64, einst Präsident des FC Bayern München, Weltmeister als Nationalspieler und legendärer Elfmeter-Verschießer, kommt nicht aus dem Spital – er kommt aus dem Gefängnis. Dort saß er 21 Monate.

Nur 21 Monate.

Vielleicht ist er tatsächlich geheilt von seiner Börsensucht, vom Steuerhinterziehungsvirus, von einer Art virtueller Kleptomanie. Doch das ist nicht das Thema.

21 Monate sind es geworden. Nicht wie vorgesehen 42. Zu dreieinhalb Jahren unbedingter Haft war Uli Hoeneß verurteilt worden. Jetzt kommt er frei. Deutsche Druckwerke überschlagen sich vor Freude.

Der Stern warnt vorausschauend vor der „Mär vom Promibonus“ und ermahnt Potenzielle Nestbeschmutzer vor: „Kritiker, die nun "Promibonus" rufen, sollten einen Blick ins Gesetzbuch werfen.“

Die Münchner tz hat ohne eine Sekunde zu verlieren ein Leser-Voting ins Netz gestellt. Nicht etwa mit der Gewissensfrage „Sollte Hoeneß nicht doch lieber seine gesamte Strafe absitzen?“ sondern mit der Zukunftsfrage „Soll Uli Hoeneß wieder Bayern-Präsident werden?“

Nur in der Süddeutschen Zeitung lehnte sich eine Kommentatorin aus einem anderen Fenster: „Für den ehemaligen FC-Bayern-Präsidenten wird eine Extrawurst gebraten. Das untergräbt den Glauben der Bürger daran, dass vor dem Gesetz alle gleich sind.“

Bayern braucht Hoeneß, der selbst im Gefängnis brav für den Klub geschuftet hat, der vorbildlich war bei Freigängen, der nun wirklich seine Schuld getilgt hat, der im Stillen ein selbstloses Nachwuchskonzept für den FC Bayern erarbeitet hat, der… und, und, und. Dabei handelt es sich durchwegs um sinngemäße Zitate aus deutschen Zeitungen.

28,5 Millionen Euro. Das ist die Summe, die Hoeneß an Steuergeld unterschlagen haben soll. Ich melde mich zu Wort: „Das ist viel. Und das ist ein ziemlich auffälliger Betrug… äh: Betrag, mein‘ ich eigentlich, find ich halt, aber, naja…“. Es wird ruhig am Wirtshaustisch. Verschüchtert blicke ich in vier dunkle, böse Augenpaare.

„Hast du schon einmal drüber nachgedacht, wie viel er dem Klub gebracht hat? Häää?“ Ich glaube mein lieber Freund und Bayern-Fan hätte mich am liebsten rausgeschmissen aus dem Wirtshaus und mir die Freundschaft gekündigt.

Schon, schon, denke ich. Aber eigentlich ist mir Bayern völlig weißwurscht. Es wär‘ mir wichtiger zu wissen, dass solche Typen eine angemessene Strafe absitzen.

Als hätte er meine Gedanken gelesen, motzt mich ein anderer an. Gerade noch ohne handgreiflich zu werden, aber immerhin mit geballter Faust: „Bist deppert? Es ist doch völlig klar, dass Bayern den Uli braucht, oder?“

„Eines muss man sagen“ mischt sich einer vom Nebentisch ein, der eigentlich gar nichts sagen muss. „In Wien wär ma froh, wenn man so an Fußball-Manager hätten!“ Ich sag jetzt nicht, dass wir Typen mit ähnlich krimineller Energie eh schon ein paar hatten, allerdings weitaus unfähigere. Auch die Grazer können mit ihrem lächerlichen Kartnig nicht mithalten mit dem großen Uli.

„Ich hab’s eh nicht so g‘meint“, sag‘ ich stattdessen, um meine g’rösten Nierndln aufessen zu können, bevor sie einer gegen die Wand haut. „Seid mir bitte nicht böse! Jetzt wo wir doch alle Alaba sind und damit natürlich automatisch auch FC Bayern, eh kloa. Also auch Uli. Wir Wiener brauchen den Uli genauso wie einen Bissen Brot!“

Vor 21 Monaten habe ich hier auf dieZeitschrift.at (siehe Ballgemein - Morbus Uli) geschrieben, dass Uli Hoeneß offenbar an einer Krankheit leidet, die anderen Menschen mehr schadet als ihm selbst. Diese Prognose wurde durch die vorzeitige Entlassung bestätigt. Leid tut mir nur, dass ich damals eines nicht vorausgesehen habe: Nämlich, dass eben dieser Morbus Uli sogar im 450 Kilometer von München entfernten Wien zur kompletten Verblödung führt.

Das unüberschaubare Feld des Sports pflügt und pflegt Jürgen Preusser, seit er 19 Jahre ist. Hauptsächlich und lange Zeit hauptberuflich journalistisch. Von zehn Olympischen Spielen durfte er vor Ort berichten. Segeln, Spielen und Schreiben – das ist und bleibt seine S-Klasse. Wien sieht ihn nur noch in Ausnahmefällen, der Wienerwald hingegen dauernd.