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Ohne Worte

Wozu braucht man eine gesungene Hymne wirklich? Um damit Politik zu machen? Nein. In Wahrheit ist sie hauptsächlich dazu da, im Stadion gegrölt zu werden. Von großen und kleinen Söhnen und Töchtern.

Zwei Stunden vor Matchbeginn auf dem Straßerl zwischen Krieau und grünem Prater: Ein rot-weiß-roter Fan torkelt Richtung Wurstelprater, braucht dazu die ganze Straßenseite und wird zwei Dinge ganz sicher nicht tun: Das EM-Qualifikationsspiel Österreich – Schweden sehen und kurz davor die Hymne singen. Und zwar weder die Töchter- noch die Söhne-Version.

Später im Stadion: Zuerst Rainhard Fendrichs heimliche Hymne „I am from Austria“ – alle singen mit. „…I kenn die Leit‘, I kenn‘ die Rott’n…“ verstehen vielleicht sogar ein paar Schweden, weil Ratte auf Schwedisch Råtta heißt und ähnlich ausgesprochen wird.

Wenig später folgt der Radetzkymarsch. Alle klatschten mit – Töchter und Söhne. Zwangsläufig fallen einem dazu die weisen Spanier ein, deren Hymne stets ohne Worte geblieben ist, wodurch sie sich jeglicher Gender-Diskussion entzogen haben.

Das Einzige, was wirklich gegen den Radetzkymarsch spricht ist der Umstand, dass Joseph Roth seinen Roman vom Untergang der Donaumonarchie „Radetzkymarsch“ genannt hat. Nun sind Untergang und Fußball in Österreich zwar stets eng miteinander verbunden, doch ist diese Verbindung durchaus unerwünscht.

Schließlich kommen die beiden Teams ins Stadion, wenig später ertönen die offiziellen Hymnen. „Du gamla, du fria…“ lauten Titel und erste Worte der schwedischen. Nein, dies heißt auf Wienerisch nicht „Heast Sandla, du konnst ruhig frieren!“, sondern die erste Strophe hat etwas mit dem alten, freien, gebirgigen Norden Europas zu tun.

Apropos gebirgig: „Land der Berge“ ist an der Reihe. Jetzt zeigen wir den Schweden aber, was gebirgig wirklich heißt! Wieder scheinen alle mitzusingen. Eine Gruppe von Mädchen brüllt ihre Freunde bei der Töchter-Passage so laut an, dass ich nicht feststellen kann, wer von den übrigen 47.955 jetzt tatsächlich „Töchter Söhne“ und wer nur „Söhne“ gesungen hat.

Eingefleischte Fußball-Patriotisten volksrock’n’rollerischen Zuschnitts werden wohl aus Angst vor der Häme ihrer Hawara eher bei „großer Söhne“ geblieben sein, obwohl das einzig Große an manchem dieser Söhne der Bierbauch sein mag. Apropos Bierbauch: Ein Schwimmreifenträger wird von einem Freund mit den Worten „No, du host oba a gonz schenes Ottakringerl kriagt!“ begrüßt. Kannte ich noch nicht! Kreativ, aber für eine Hymne gänzlich unbrauchbar.

Mag sein, dass es tatsächlich hoch an der Zeit war, die Hymne zu gendern. Doch angesichts der vielen veralteten, zu martialischen, zu nationalistischen, zu pathetischen Texte anderer Hymnen, hätte man die Gelegenheit auch nützen können, eine neue Hymne zu komponieren und diese mit einem modernen Text zu versehen. Oder eben einen Klassiker zu verwenden - einen wie den Radetzkymarsch. Einen ohne Worte jedenfalls.
Como los españoles sabios.

Das unüberschaubare Feld des Sports pflügt und pflegt Jürgen Preusser, seit er 19 Jahre ist. Hauptsächlich und lange Zeit hauptberuflich journalistisch. Von zehn Olympischen Spielen durfte er vor Ort berichten. Segeln, Spielen und Schreiben – das ist und bleibt seine S-Klasse. Wien sieht ihn nur noch in Ausnahmefällen, der Wienerwald hingegen dauernd.