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Wir wern an Richter brauchen

Beim Schach treffen nicht immer nur Geistesgrößen aufeinander. Mitunter fliegen die Hackeln ganz schön tief.

In Mausgrau und -braun gewandet, sitzen ein paar Schachspieler still beim Turnier. Plötzlich haut einer mit der Faust auf den Tisch, springt auf und stößt einen gequälten Schrei aus. Krach beim Schach – das ist, was man nicht erwartet, also machen die Lotterien damit in einem TV-Werbespot aufs „Ja“ zum Joker aufmerksam.
Das Szenario ist allerdings gar nicht so weit weg von der Realität. Zwar ist es in Turniersälen tatsächlich leiser als in Fußballstadien, doch beim Austeilen von Fouls stehen die Figuren- den Ballakrobaten gelegentlich in nichts nach. Die Blutgrätsche kommt halt unauffälliger daher: Der Kontrahent wird angestarrt oder befußelt, man stört ihn durch lautes Nuckeln an der Wasserflasche oder leises Flatulieren und quittiert seine Züge mit mitleidigem Kopfschütteln. Wer deshalb den Schiedsrichter (ja, den gibt es…) ruft, riskiert, sich lächerlich zu machen, und lässt es daher lieber gleich bleiben.
Kommt man weder auf faire noch auf unfaire Art zum Sieg, steht einem immerhin noch das Revanchefoul offen. Vereinzelt kehren Spieler einfach nicht mehr ans Brett zurück, wenn sie sich auf der Verliererstraße wähnen. Anstatt aufzugeben, zwingen sie somit ihr Gegenüber, die restliche Bedenkzeit abzuwarten. Da sitzt man dann schon gerne einmal eine Stunde umsonst herum.

Schwierige Menschen

Dass im Strafraumgedränge eines Fußballmatches gestoßen und gezwickt wird, überrascht niemanden. Aber woher kommen solche Spompanadeln in einem Spiel, das gemeinhin als ruhige und sachliche Angelegenheit, als rein geistige Auseinandersetzung gesehen wird?
Schach ist ein ideales Hobby für Menschen, die sich mit anderen Menschen schwer tun. Man ist in Gesellschaft, kommt einander aber nicht zu nahe. Man braucht nicht einmal miteinander zu sprechen, mit einem Händedruck vor und nach der Partie ist der Etikette Genüge getan. Daraus soll nicht gefolgert werden, dass sich nur Eigenbrötler und Soziopathen am Brett versammeln. Sie tun sich dort aber sicherlich leichter, sich einzugliedern, als auf anderen Gebieten.
Das unpersönliche Miteinander via Internet vertieft die Abgründe noch. Der raue Umgangston bestimmter Schachforen lässt manche Kontaktsportarten harmlos aussehen. Im Schatten der Anonymität gedeiht mitunter sogar das Delikt des Betrugs: Immer wieder werden Schlaumeier ertappt, die am Klo das Schachprogramm auf ihrem Smartphone zu Rate ziehen. Nur Doping spielt keine praktische Rolle im Schach.

Feind – Todfeind – Schachfreund

Die Königsdisziplin der Gehässigkeiten ist freilich der Streit unter Funktionären, in Wien jüngst erste Reihe fußfrei zu bestaunen. Da fühlte sich ein privater Veranstalter vom Landesverband benachteiligt und hielt mit dieser Ansicht nicht hinterm Berg. Dafür wurde ihm ein Hausverbot erteilt und ein Disziplinarverfahren angestrengt. Ein Schiedsgericht trat zusammen, eine Berufung folgte, sogar die Generalversammlung des Landesverbandes musste sich mit der Causa befassen. Am Ende verlor natürlich das Schach.
Das Motto des Weltverbandes FIDE – in seiner Geschichte zeitweilig gespalten wie die Boxverbände – lautet übrigens „Gens una sumus“, lateinisch für „Wir sind eine Familie“. Ein gutes Omen? Familienzwistigkeiten sind bekanntlich oft die erbittertsten.